Jahresberichte des Instituts für Kulturpolitik

I.

Das Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft ist im Jahr 1996 gegründet worden. Im kommenden Jahr feiert es seinen 20. Geburtstag. Seine Kernaufgaben sind seit dieser Zeit der »Kulturpolitische Bundeskongress«, das »Jahrbuch für Kulturpolitik« und das »Kulturpolitische Informationssystem«. Gedacht war es aber von Beginn an auch als Basis für weitere Projekte der Kulturpolitischen Gesellschaft, um ihre Verbandsaufgaben durch wissenschaftliche Arbeiten qualifizieren zu können und dem Thema »Kulturpolitikforschung« in Deutschland mehr Aufmerksamkeit im politischen Raum und in der Öffentlichkeit zu verschaffen. Entstanden in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre war die Gründung des Instituts eine logische Konsequenz aus der Kulturpolitikentwicklung in der damaligen Zeit, die vor allem den Bund als kulturpolitischen Akteur auf den Plan rief, der (genauer: der/die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien – BKM) seitdem auch die Basisfinanzierung für das Institut übernimmt. Eine entwickelte Kulturpolitik, die diesen Namen verdient, braucht Kulturpolitikforschung. Forschung gehört gewissermaßen zur unterstützenden Infrastruktur eines jeden Politikfeldes. Darauf habe ich anlässlich einer Konferenz zum Thema »Kultur und Medien: Mit Forschung im Gespräch« am 16. September 2014 im Haus der Geschichte in Bonn hingewiesen und einige Überlegungen zur Begründung von anwendungsbezogener Kulturpolitikforschung formuliert, die auch für das Institut für Kulturpolitik leitend sind (siehe dazu den Beitrag auf S. 4 in diesem Bericht).

Inzwischen ist die Notwendigkeit für mehr Kulturpolitikforschung auch auf Bundesebene anerkannt. So heißt es etwa im Koalitionsvertrag der Bundesregierungsparteien aus dem Jahr 2013: »Der Analyse, dem Austausch und der Reflexion dienen eine verstärkte Kulturpolitikforschung und eine gegebenenfalls gesetzlich zu sichernde Kulturstatistik. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung einer qualifizierten Besucherforschung, die wertvolle Rückmeldungen zu künstlerischen Angeboten gibt.« Noch sind dazu seitens der BKM (bis auf eine Intensivierung der Provinienzforschung und einige kleinere Projektförderungen) keine systematischen Initiativen bekannt geworden. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ideen seitens der Kulturpolitischen Gesellschaft gibt es dazu jedenfalls. Allein die Fülle der Kulturentwicklungskonzepte auf kommunaler und Landesebene macht deutlich, wie notwendig wissenschaftliche Erkenntnisse und konkrete Forschungen auch im Kulturbereich inzwischen sind, um den kulturpolitischen Herausforderungen zu begegnen. Dafür bedarf es einer systematischeren Kultur- und Kulturpolitikforschung, die nicht allein auf einzelne Auftragsprojekte und -studien verwiesen ist, sondern mit größerer Intensität und Kontinuität zu Werke gehen kann, um wirklich solide und nachhaltig nützliche Erkenntnisse zu liefern. Das Institut für Kulturpolitik könnte eine Basis dafür werden.

II.

Im Berichtszeitraum 2014 wurde vom IfK – unabhängig von den Kernaufgaben des Instituts – an 14 Projekten gearbeitet. An einigen Themen und Projekten aus den vergangenen Jahren wurde weitergearbeitet, andere wurden neu aufgenommen. So hat das Institut etwa das große Projekt zur Erstellung von Kulturkonzeptionen für zwei Modellregionen im Land Thüringen im Auftrag der Landkreise Hildburghausen/Sonneberg sowie der Landkreise Nordhausen/Kyffhäuserkreis im Jahr 2014 fortgeführt und im April 2015 abgeschlossen (siehe dazu den Bericht von Patrick S. Föhl in diesem Bericht). Für die BKM wurden die Potenziale der ländlichen Kulturarbeit angesichts der Folgen des demografischen Wandel in Augenschein genommen (s. dazu den Bericht von Christine Wingert und Franz Kröger). Im Auftrag des Bundesverbands der Freien Theater wurde mit einer Untersuchung der Förderung dieser kulturellen Akteure begonnen. Die Konzeptförderung Soziokultureller Zentren durch das Land Nordrhein-Westfalen wurde erneut vom IfK betreut und auch die Beschreibung der deutschen Kulturpolitik im »Compendium Cultural Policies and Trends in Europe« wurde kontinuierlich weitergeführt und aktualisiert.

Schwerpunkte der Arbeit waren im Jahr 2014 die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung des 8. Kulturpolitischen Bundeskongresses »Kultur.Macht. Einheit? Kulturpolitik als Transformationspolitik« im Juni 2015 sowie die Erstellung des Jahrbuchs für Kulturpolitik 2014 zum Thema »Neue Kulturförderung«. Damit liegen nunmehr drei Jahrbücher (2012: »Neue Kulturpolitik der Länder«; 2013: »Kultur und Planung«; 2014: »Neue Kulturförderung«) vor, die eine Entwicklung zum Thema machen, die sich weg von einer eher »additiven« Wachstumsstrategie der Kulturpolitik hin zu planvolleren Konzepten kulturpolitischen Handelns vollzieht, welche die finanziellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dieses Politikfeldes stärker in den Blick nehmen. Entstanden ist auf diese Weise ein Kompendium, das wieder einmal sehr aktuelle Entwicklungsprozesse der Kulturpolitik beschreibt und zum Thema des kulturpolitischen Diskurses macht.

Norbert Sievers

 

 

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