Pressemitteilungen 2005

Kulturelle Bildung muss (auch) Bundesaufgabe bleiben!

Erklärung der Kulturpolitischen Gesellschaft

In den »Ergebnissen der Koalitionsarbeitsgruppe zur Föderalismusreform« ist u.a. festgelegt worden, dass die gemeinsame Bildungsplanung von Bund und Ländern in der Bund-Länder-Kommission (BLK) sowie die Förderung von Modellprojekten aufgegeben werden soll. Davon könnte auch die Weiterentwicklung der kulturellen Bildung, die bislang von vielen BLK-Modellversuchen profitieren konnte, betroffen sein. Wir warnen davor, diese Option der kooperativen Innovationsförderung in den Bereichen Bildung und Kultur zu beschneiden.

Kulturelle Bildung ist das Fundament der Kulturpolitik und eine Voraussetzung für die kulturellen Kompetenzen, die die Menschen in der Gesellschaft der Zukunft benötigen. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen den engen Zusammenhang von Bildung und kultureller Teilhabe und zeichnen ein alarmierendes Bild von der kulturellen Spaltung in unserer Gesellschaft. Immer weniger Menschen sind aufgrund mangelnder kultureller Bildung in der Lage, sich die Zeugnisse des kulturellen Erbes und die Werke der zeitgenössischen Kunst zu erschließen und werden voraussichtlich zukünftig in den Theatern, Konzerthäusern und Museen fehlen. Kinder und Jugendliche benötigen zudem eigene Orte und Experimentierfelder, um eigene kulturell-ästhetische Ausdrucksformen zu finden und zu erproben und einen kompetenten Umgang mit den neuen Medien zu entwickeln. Wir brauchen deshalb nicht weniger, sondern mehr kulturelle Bildung!

Für die Gestaltung einer zukunftsfähigen, gerechten und vielfältigen Gesellschaft ist das Feld der kulturellen Bildung von größter Bedeutung. Kulturelle Bildung im schulischen wie außerschulischen Bereich für Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene und Senioren ist der entscheidende Schlüssel zu Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Kulturelle Bildung ermöglicht und fördert Kreativitätsentwicklung, Kommunikations- und Handlungskompetenz, Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeit und kann Menschen stark und stolz auf eigene Fähigkeiten machen – und dies besonders auch bei denen, deren verbale Ausdrucksmöglichkeiten entwicklungsbedürftig sind, deren Muttersprache nicht die deutsche ist. Auch der interkulturelle Dialog setzt kulturelle Bildung voraus!

Der Pisa-Schock hat die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf die Defizite in den sogenannten Kernfächern wie Deutsch oder Mathematik gelenkt. Die Möglichkeiten kreativer Gestaltung, die ästhetische Erziehung vermitteln kann und die unmittelbar Auswirkungen haben auf Lernfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung, sind aus der bildungspolitischen Wahrnehmung verschwunden und in den Stundentafeln einiger Bundesländer nach Belieben zum Kürzen freigegeben. Diese Tendenz muss gestoppt werden. Vielmehr müssen Angebote aus den Kunstgattungen Musik, visuelle Kunst, Tanz und Theater gerade im Interesse der Kinder und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft in Schule wie in Freizeit ausgebaut werden. Hier empfiehlt sich der Auf-und Ausbau kulturpädagogischer Dienste im kommunalen und regionalen Kontext sowie die Kooperation von Kultur-, Jugend- und Familienpolitik im vorschulischen Zusammenhang wie in der Schule zugunsten eines ganzheitlichen Bildungsangebotes.

Die Ganztagsschule bietet hierfür organisatorische und inhaltliche Perspektiven. Die Schulen müssen allerdings mit Gestaltungsfreiheit und Honorarmitteln ausgestattet sein, um künstlerische Kompetenz von externen Experten, den Künstlern, in die Schulen zu holen. Die hervorragenden Erfahrungen der BLK-Modellversuche aus dem Spektrum »Künstler und Schüler« müssen reaktiviert und um interkulturelle Erfahrungen angereichert werden. Nachhaltig wirkende Education-Programme zur Förderung kultureller und damit sozialer Teilhabe, von denen insbesondere Kinder aus bildungsfernen (Migranten-)Familien profitieren können, sollten neu aufgelegt werden. Nicht nur die Einrichtungen der kulturellen Bildung wie Musik- und Jugendkunstschulen, Schreib- und Medienwerkstätten, Kinder- und Jugendmuseen müssen viel mehr als bisher die besonderen Bedürfnisse von sozial und kulturell benachteiligten Kindern und Jugendlichen berücksichtigen. Vielmehr sind alle Kultureinrichtungen, also auch die Theater, Museen und Konzerthäuser, aufgefordert, sich dieser Herausforderung zu stellen. Dafür müssen mehr finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

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Bildung und Kultur sollen nach dem Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD auch in Zukunft vor allem Ländersache bleiben. Allerdings wollen die Koalitionspartner »bei der Wahrnehmung der Aufgaben des Bundes den Aspekt der Teilhabe ins be son de re von Kindern und Jugendlichen an Kulturangeboten« berücksichtigen. Wir begrüßen diese Aussage! Kulturelle Bildung muss auf allen Ebenen politischer Verantwortung ernster genommen werden. In den Kommunen sind es Kunst- und Kulturorte, sowie die Kinder- und Jugendkultureinrichtungen, die sich dieser Aufgabe noch stärker stellen müssen. Die Länder haben vor allem die Verantwortung für die schulische kulturelle Bildung. Aufgabe des Bundes ist es u.a., in Kooperation mit gesellschaftlichen Organisationen und den Ländern durch Modellversuche und Forschungsvorhaben das Feld der kulturellen Bildung problem- und strukturorientiert zu qualifizieren, wie es seit vielen Jahren gute Praxis ist. Es wäre fatal, wenn diese Möglichkeiten kooperativer Innovationsförderung aufgegeben würde. Wir appellieren an die Verantwortlichen in Bund und Ländern, mehr und nicht weniger für die kulturelle Bildung zu tun!
Der Vorstand

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Bonn, 9. Dezember 2005

Kulturpolitische Gesellschaft begrüßt Koalitionsvereinbarung zur Bundeskulturpolitik und warnt vor Kompetenzbeschneidung

Kontinuität mit neuen Akzenten

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Der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, Dr. Oliver Scheytt, sieht in dem vorgelegten Entwurf der Koalitionsarbeitsgruppe Kultur- und Medienarbeit eine konstruktive Grundlage für die zukünftige Bundeskulturpolitik.

»Die Koalition setzt offenbar auf Kontinuität. Kulturausschuss, Kulturenquete und Kulturstaatsminister werden als bewerte Institutionen wieder eingesetzt. Erfreut bin ich über die Einigkeit, Kultur als Staatsziel ins Grundgesetz aufzunehmen. Dies ist ein wichtiges Signal für den aktiven Kulturstaat Deutschland.«

Für das Amt des Staatsministers sollte jetzt endlich eine qualifizierte Person benannt werden, um die Personaldebatte zu beenden. Dieses Amt sei für die Kulturszene in Deutschland sehr wichtig, denn es vertrete die kulturellen Interessen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa.

Mit Unverständnis und Sorge sieht Dr. Oliver Scheytt allerdings, dass nach den Vorschlägen zur Föderalismusreform die Vertretung der kulturpolitischen Belange der Bundesrepublik in Europa bei den Ländern liegen soll.

»Damit wird die Vertretung bundesdeutscher kulturpolitischer Interessen auf europäischem Parkett von der Bundeskulturpolitik abgetrennt und das Amt des Beauftragten für Kultur und Medien in seinem Arbeitsfeld beschnitten. Die Bündelung der Kompetenzen auf Bundesebene, um mit ›einer Stimme‹ in Brüssel zu sprechen, war gerade einer der zentralen Gründe für die Einrichtung dieses Amtes. Diesen Schritt zurück gilt es unbedingt zu verhindern.«

Bei den Inhalten des vorgeschlagenen Kulturteils der Koalitionsvereinbarung wird die geplante Fusion der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder begrüßt, aber davor gewarnt, dass die fusionierte Kulturstiftung nicht zu einer unbeweglichen Behörde mit festgelegtem Aufgabenprofil werden darf, sondern offen sein muss für neue Herausforderungen. »Wir brauchen gerade auf Bundesebene ein innovatives Instrument der Kulturförderung, mit dem schnell auf neue künstlerische und kulturelle Entwicklungen reagiert werden kann. Wachsende Bedeutung erhalten etwa interkulturelle Projekte. Wir brauchen praktische Antworten auf die Frage, wie die interkulturelle Kulturarbeit qualifiziert und verstetigt werden kann.«

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Die Kulturpolitische Gesellschaft ist eine bundesweite Vereinigung von mehr als 1400 persönlichen und korporativen Mitgliedern. Sie führt am 8./9. Dezember 2005 in Bonn die Fachtagung »Beheimatung durch Kultur? Kulturorte als Lernorte interkultureller Kompetenz« (www.kupoge.de/kulturorte/) durch, die sich mit Fragen der interkulturellen Kulturpolitik beschäftigt.
Dr. Oliver Scheytt

Pressemitteilung (Link)

Bonn, 10. November 2005

Kulturpreis 2005 der Kulturpolitischen Gesellschaft an Soziokulturelles Zentrum KULTURBASTION Torgau in Trägerschaft des KAP Torgau e.V.

Der Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft geht in diesem Jahr an das Soziokulturelle Zentrum KULTURBASTION Torgau in Sachsen. Dies hat der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft auf seiner Sitzung am 23. September in Hannover beschlossen. In der Begründung des Vorstands heißt es dazu: »Der 1993 gegründete Verein ›Kulturelles Aktionsprojekt (KAP) Torgau e. V.‹ hat in beeindruckender und überregional wahrnehmbarer Weise und mit einem Höchstmaß an bürgerschaftlichem Engagement nicht nur ein soziokulturelles Zentrum etabliert, sondern auch Soziokultur und Denkmalschutz unter schwierigen Bedingungen miteinander verbunden. Teile der kulturgeschichtlich bedeutsamen Festungsanlage Torgau (Bastion und Kasematten) wurden saniert und zu einem Kulturzentrum entwickelt.

In den vergangenen Jahren bot der Verein unter räumlich schwierigen Bedingungen Kultur-, Jugend- und Medienarbeit in Stadt und Landkreis an. Bemerkenswert ist u. a., dass er das einzige kommunale Kino im ländlichen Raum Sachsens betreibt und auch Großveranstaltungen im Landkreis schultert. Er vernetzt bereits heute viele Vereine und Akteure seines Umfeldes und realisierte zahlreiche erfolgreiche Projekte in unterschiedlichen künstlerischen Sparten. Nunmehr bietet er der freien Kulturarbeit im Kulturraum ›Leipziger Raum‹ eine hochwertige Plattform. Torgau, eine der schönsten Renaissancestädte Deutschlands, wird jetzt auch als Veranstaltungs- und Begegnungsort neuer Qualität von sich reden machen.

Mit der konzeptionellen Umgestaltung des Festungsareals setzte der Verein auf die Durchdringung von bürgernaher Kultur, tourismusrelevanten Ansätzen und Kulturgewerbe. Das KAP Torgau hat in der Umsetzung Vorurteile aufgebrochen, viele Menschen begeistert und der Kulturarbeit ›von unten‹ in diesem ländlichen Raum völlig neue Konturen gegeben. Dazu hat der Verein Fördermittel der EU und des Bundes eingeworben und bewirtschaftet.

Bereits im Winter 2005 wird die Kulturbastion eröffnet und in den nächsten Jahren schrittweise ausgebaut. Der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft lobte vor allem das Geschick der Akteure, Aspekte kommunaler Entwicklung und bürgerschaftlichen Gestaltungswillen zugunsten eines bürgernahen Kulturangebots zukunftsweisend und überzeugend verbunden zu haben.

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Der Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft ist wird seit 1977 jährlich vergeben (s. http://www.kupoge.de/kulturpreis/preis.htm) und ist mit einem Preisgeld von 1.000 Euro verbunden. Er versteht sich als Auszeichnung für kulturelle Initiativen und Projekte, die mit einem hohen Maß an bürgerschaftlichem Engagement verbunden sind.

Pressemitteilung (Link)

Bonn, 28. September 2005

Kulturpolitische Gesellschaft e.V. – Erklärung zur Bundestagswahl 2005

Kompetenzen ordnen – Schwerpunkte definieren

Für eine Kulturpolitik des Bundes mit Kontinuität und Augenmaß

Die institutionelle Verankerung der Kulturpolitik in der Bundesregierung und im Bundestag mit dem Regierungswechsel im Jahr 1998 hat sich bewährt. Die öffentliche Verantwortung für den Schutz und die Förderung von Kunst und Kultur hat dadurch an Bedeutung gewonnen. Wichtige ordnungs- und förderpolitische Maßnahmen konnten umgesetzt und vorbereitet werden. Darin besteht parteienübergreifend Konsens. Damit ist die Grundlage geschaffen für weitere strukturelle und konzeptionelle Fortschritte. Für eine Bundeskulturpolitik, die in diesem Sinne auf Kontinuität bedacht ist und neue Herausforderungen annimmt, schlagen wir vor:

Aufgaben bündeln, Koordinierung verbessern

Die Verantwortung für Kunst und Kultur ist in der Bundesregierung auf zu viele Ressorts verteilt. Dies ist ein Hindernis für die rationale Planung und effektive Koordinierung kulturpolitischer Maßnahmen und für die Außenwirkung dieses Politikbereichs. Wünschenswert ist deshalb eine stärkere Konzentration der Aufgaben in einem eigenständigen Ministerium oder einem dem Kanzleramt angegliederten Kulturministeramt mit einer politischen Vertretung im Rang eines Bundesministers. Die Prüfung der Kulturverträglichkeit bei politischen (Reform-)Maßnahmen ist davon unberührt. Eine bessere Koordinierung der innerstaatlichen und auswärtigen Kulturpolitik ist notwendig. Der Ausschuss für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag muss erhalten bleiben.

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Kultur verfassungsrechtlich verankern, Enquete-Kommission wieder einsetzen

Die von der Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland« vorgeschlagene Kulturklausel (»Der Staat schützt und fördert die Kultur«) sollte in das Grundgesetz aufgenommen werden. Sie begründet zwar keine Förderungsansprüche, unterstreicht aber die Bedeutung von Kunst und Kultur für das kulturpolitische Handeln von Bund, Ländern und Kommunen. Ferner sollten die umfangreichen Vorarbeiten der Enquete-Kommission ausgewertet und weitergeführt werden, um den Aufgabenkatalog der zukünftigen Bundeskulturpolitik zu qualifizieren.

Kooperativen Kulturföderalismus praktizieren

Kulturpolitik in Deutschland und in Europa entsteht aus dem Zusammenwirken aller Politikebenen. Kommunen, Länder, der Bund und die Europäische Union haben ihre je eigenen Aufgaben, aber auch eine gemeinsame Verantwortung. Sinnvoll ist eine Verständigung auf Kompetenzen, aber kein Zuständigkeitsegoismus mit dem Ziel der generellen Entflechtung von gemeinsamen Finanzierungen kultureller Einrichtungen und Programme. Gerade im Kulturbereich können gemischte Finanzierungen sehr nützlich sein. Woran es nach wie vor mangelt, ist eine bessere Koordinierung zwischen den föderalen Ebenen.

Bundespolitische Verantwortung aktiv wahrnehmen

Aus den Mitteln für die Bundeskulturförderung (2005: BKM = 900 Mio. €; AA = 540 Mio. €) fließt ein großer Teil in die Hauptstadtkulturförderung (2005: ca. 440 Mio. Euro). Wir sehen ein, dass der Bund gerade im Kulturbereich eine besondere Verantwortung für die Bundeshauptstadt hat. Dennoch darf sich sein förderungspolitisches Engagement nicht allein darauf konzentrieren. Es ist vielmehr der Kulturlandschaft Deutschland insgesamt verpflichtet.

Unabhängige Kulturförderung weiter ermöglichen

Mit der Kulturstiftung des Bundes verfügt der Bund über ein wirksames und erfolgreiches Instrument der Kulturförderung. Als Stiftung des Öffentlichen Rechts soll ihre inhaltlich-fachliche Unabhängigkeit gewährleistet werden. Die selbstverwalteten Bundeskulturfonds (Deutscher Literaturfonds, Fonds Darstellende Künste, Fonds Soziokultur, Stiftung Kunstfonds), deren öffentliche Finanzierungsanteile von der Kulturstiftung des Bundes zur Verfügung gestellt werden, sind darüber hinaus auch weiterhin organisatorisch selbständig. Diesen Status gilt es zu erhalten. Ferner sollte erneut versucht werden, eine Fusion der Kulturstiftung des Bundes mit der Kulturstiftung der Länder zu vereinbaren, um die förderungspolitischen Konzeptionen dieser beiden Einrichtungen noch stärker aufeinander abstimmen zu können.

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Ordnungspolitische Rahmenbedingungen optimieren

Kulturpolitik des Bundes ist vor allem Ordnungspolitik. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Produktion und Vermittlung von Kunst und Kulturangeboten zu gestalten, gehört zu ihren vornehmsten Aufgaben. Auch wenn in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren vieles erreicht und angestoßen wurde, bleiben folgende Themen auf der Agenda: Schutz des ermäßigten Umsatzsteuersatzes, Reform des Gemeinnützigkeitsrechtes, Erhöhung des Bundeszuschusses und Erfassung aller Verwerter in der Künstlersozialversicherung; im Urheberrecht, die Novellierung des Folgerechts und die Anhebung der Vergütungen sowie die Reform des Zuwendungsrechts.

Kultur(politik)forschung und -statistik fördern

Kulturpolitik braucht - wie andere öffentliche Politikfelder - Einrichtungen der Forschung, Information, Qualifizierung und Statistik. Gemeinnützige Verbände und GmbHs haben beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur Pionierarbeit geleistet, gab es doch bisher keine systematische öffentliche Förderung auf diesen Feldern. Von einer ausreichenden Aufgabenwahrnehmung und Förderung der Kulturpolitikforschung kann jedoch noch nicht die Rede sein. Vor allem im Bereich der Kulturstatistik (Entwicklung einer einheitlichen Kulturstatistik) gibt es Handlungsbedarf.

Kulturelle Bildung und interkulturelle Arbeit stärken

Die Intensivierung und Qualifizierung der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen sowie die Förderung der interkulturellen Arbeit müssen Schwerpunkte öffentlicher Kulturpolitik werden. Dies haben nicht zuletzt die Kulturpolitischen Bundeskongresse der Kulturpolitischen Gesellschaft und der Bundeszentrale für politische Bildung in den Jahren 2003 und 2005 gezeigt. Auch der Bund kann auf Grund der gesellschaftspolitischen (und mithin gesamtstaatlichen) Bedeutung dieser Aufgaben Anstöße geben und Modellprojekte fördern. Vor allem im Bereich der interkulturellen Arbeit bedarf es exemplarischer Initiativen. Denkbar wäre z.B. die Einrichtung eines Fonds für Interkulturelle Kulturarbeit.

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Kulturförderung als öffentliche Aufgabe behaupten

Seit Jahren gibt es seitens der EU und internationaler Organisationen Bestrebungen, Kunst und Kultur als handelbare Dienstleistungen und die öffentliche Kulturförderung als wettbewerbsschädliche Subventionen auszuweisen. Die Bundesregierung, namentlich die Staatsministerin für Kultur und Medien, ist diesem Trend bisher entschieden entgegengetreten. Diese Entschlossenheit erwarten wir auch in Zukunft. Kulturförderung ist öffentliche Aufgabe. Sie ist konstitutiv für den Kulturstandort und Kulturstaat Deutschland.
Kulturpolitische Gesellschaft e.V.
Der Vorstand

Bonn, 5. September 2005

Ermutigung zum kulturellen Aufbruch in der NRW-Kulturpolitik

Kulturpolitische Gesellschaft will Taten sehen

Die Kulturpolitische Gesellschaft (Bonn) begrüßt die vom zukünftigen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers beabsichtigte Neuausrichtung der Kulturpolitik in NRW. Der Präsident der Organisation, Dr. Oliver Scheytt, äußert dazu: »Die Absicht, den Kulturhaushalt bis zum Jahr 2010 von 70 auf 140 Mio. Euro zu verdoppeln ist ein gutes Signal an die Kulturszene. Doch Geld alleine reicht nicht. Erforderlich sind nachhaltige Konzepte und eine personelle Verankerung der Kultur im Landeskabinett.«

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»Die Koalitionsverhandlungen werden zeigen«, so Scheytt, »ob Rüttgers Wort hält. Noch wissen wir nicht, welche Rolle die Kultur im Ressortzuschnitt der neuen Landesregierung spielen wird. Wer einen Aufbruch will, darf die Kultur nicht in einem der Ressorts oder der Staatskanzlei verstecken. Um die positiven Ansätze im Kulturprogramm der CDU auch umzusetzen, bedarf es fachlich ausgewiesener Persönlichkeiten am Tisch des Landeskabinetts.«

Begrüßt wird die Absicht der Landesregierung, die kulturelle Bildung zu stärken, eine systematische internationale Kulturpolitik aufzubauen und den Kommunen und der freien Kulturszene den Rücken zu stärken. Scheytt dazu:

»Wir brauchen eine Kulturpolitik in gemeinsamer Verantwortung, die klaren Zielen folgt und auf überprüfbaren Resultaten Wert legt. Die Instrumente der Landeskulturkonferenz und des Landeskulturberichts sollten dafür gestärkt werden. Die Profilierung der internationalen Kulturarbeit ist richtig, aber wir brauchen auch den kulturellen Dialog mit den Menschen aus anderen Kulturen nach innen. Einen ›blinden Fleck‹ kann sich eine um Verständigung bemühte Kulturpolitik dort nicht leisten.«

Die Kulturpolitische Gesellschaft ist eine bundesweite Vereinigung von Kulturpolitikern und im Kulturbereich tätigen Menschen, die ihren Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen hat. Sie setzt sich für eine Kulturpolitik ein, die die Freiheit der Kunst und Kultur schützt und allen Menschen die Teilhabe an der öffentlich geförderten Kultur ermöglicht.

Pressemitteilung (Link)

Bonn, 15. Juni 2005

»publikum.macht.kultur.« startklar

Dritter Kulturpolitischer Bundeskongress in Berlin

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Am 23. und 24. Juni findet in Berlin der Dritte Kulturpolitische Bundeskongress statt. Der Kongress thematisiert das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in der Kulturpolitik und stellt Konzepte vor, wie mehr Menschen für kulturelle Angebote gewonnen werden können.

Kulturelles Interesse ist kein unbegrenzt verfügbares Gut, sondern eine knappe Ressource, um die sich viele Anbieter bemühen. Die Ausweitung des öffentlichen Kulturangebotes, die Konkurrenz privater Anbieter im Freizeit- und Kulturbereich und vor allem die Aufmerksamkeit, die den Medien zuteil wird, haben eine neue Situation geschaffen. Die Aufgabe öffentlicher Einrichtungen als Anbieter kultureller Programme ist dadurch erschwert. Dem Wachstum und der Vielfalt der Angebote steht eine immer differenziertere Nachfrage gegenüber: Viele Einrichtungen erleben bereits einen deutlichen Besucherrückgang. Damit stellen sich ganz neue Anforderungen an Kulturmarketing und Kulturpolitik.

Dies ist die Ausgangslage für den Dritten Kulturpolitischen Bundeskongress »publikum.macht.kultur.«, der von der Kulturpolitische Gesellschaft e.V. und der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung (Forum Berlin) veranstaltet wird. Der Kongress widmet sich der aktuellen Situation kultureller Teilhabe unter anderem mit Analysen des Kulturpublikums, Untersuchungen der sozialen Voraussetzungen des Kulturinteresses sowie zu Kulturmarketingmethoden. Darüber hinaus sollen Strategien der Besucherorientierung für Kulturinstitutionen und Events sowie zur Aktivierung kultureller Teilhabe aufgezeigt werden.

Zu den Referenten und Diskutanten gehören die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Prof. Dr. Johanna Wanka, die Hamburger Kultursenatorin Prof. Dr. Karin von Welck, der Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts Prof. Dr. Jörn Rüsen, der Intendant des Thalia Theaters Hamburg Prof. Ulrich Khuon, der Freizeitforscher Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Leiter der Fondation Beyeler Prof. Christoph Vitali, die Künstlerische Leiterin des Weimarer Kunstfestes Nike Wagner und viele andere.

Die Veranstaltung wird unter anderem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Dr. Christina Weiss gefördert, die den Kongress auch eröffnen wird.

Weitere Informationen sowie das vollständige Programm mit Anmeldemöglichkeit unter: www.kupoge.de/kongress/2005

Presseinformationen:Petra Stegmann, Tel.: 030-30 81 16 40, ego@inarcadia.de

Pressemitteilung (Link)

Bonn und Berlin, 8. März 2005

Rückschritt in der Kulturpolitik des Landes Niedersachsen

Bewährte Kulturförderung soll abgewickelt werden

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Mit Bestürzung haben wir davon Kenntnis erhalten, dass die Niedersächsische Landesregierung plant, die erfolgreiche und bundesweit vorbildliche Förderpolitik der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur (LAGS) abzuwickeln. In einem Antrag der Fraktionen der CDU und FDP vom 7. Februar 2005, die am 25. Februar beraten werden soll, wird die Landesregierung gebeten, der LAGS Ende des Jahres sowohl den Auftrag zur Förderung soziokultureller Projekte und Einrichtungen als auch deren Fortbildungsaufgabe zu entziehen und diese Funktionen teils auf staatsnähere Träger, zum größeren Teil aber wieder in das Ministerium für Wissenschaft und Kultur zurückzuverlagern. Damit würde eine nicht-staatliche Fördereinrichtung zerschlagen, die in den vergangenen fünfzehn Jahren beispielhaft gezeigt hat, wie intelligente und reflektierte Förderpolitik im Kulturbereich praktiziert werden kann. Sie hat sich dafür bundesweit Anerkennung erworben.

Ferner wird der Landesregierung in dem Entschließungsantrag »Neuordnung der Kulturförderung« u.a. empfohlen, »die Verbände LAGS (Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur), LAFT (Landesverband der Freien Theater), Landesverband der Kunstschulen und Landesverband Kulturelle Jugendbildung zu einer ›Säule‹ mit einem 'Dachverband' zusammenzuschließen«. Ob eine solche Konstruktion jedoch Sinn macht, kann nicht der Staat verordnen, sondern müssen die Beteiligten selbst entscheiden. Zweifel sind angebracht, ob die Prinzipien moderner Kulturpolitik (Subsidiarität, Pluralität und Dezentralität) hier noch ernst genommen werden. Dieses widerspricht nicht zuletzt den eigenen politischen Grundaussagen der CDU, die die Grundsätze der Subsidiarität und Staatsferne gerade für die Kultur propagiert.

Wir erinnern daran, dass das Prinzip der staatsfernen Kulturförderung durch zivilgesellschaftliche Organisationen mittlerweile in fast allen westlichen Staaten üblich ist. Und wir geben zu bedenken, ob es wirklich klug ist, einer Förderinstanz ihre Aufgaben und Mittel zu entziehen, die nachweislich gute Arbeit geleistet hat und der es gelungen ist, in hohem Maße bürgerschaftliches Engagement zu aktivieren. Trägervielfalt und Selbstorganisation sind Garanten einer freien Kulturförderung und einer lebendigen Kulturszene. Auch der Niedersächsische Landtag sollte daher auf Verantwortungspartnerschaft und Aufgabenteilung setzen, statt dirigistisch einzugreifen und bewährte Förderinstanzen durch bürokratische Strukturen zu ersetzen.

Wir appellieren deshalb an die im Landtag vertretenen Parteien, den eingeschlagenen Weg der Reformmaßnahmen zu korrigieren. Und wir empfehlen den im Land Niedersachsen tätigen Kulturverbänden, in dieser Situation zusammen zu stehen und sich jedem Ansinnen des Landes zu widersetzen, die ihre Autonomie und Selbstverwaltung beschränken.

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Für den Vorstand
Dr. Oliver Scheytt (Präsident)
Dr. Iris Magdowski (Vize-Präsidentin)

Bonn, 22. Februar 2005