Pressemitteilungen 2007

Ein »gewichtiges Kapitel kulturpolitischer Geschichte«

Erklärung der Kulturpolitischen Gesellschaft zum Schlussbericht der Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland«

Die Enquetekommission »Kultur in Deutschland« des Deutschen Bundestages hat in ihrem Schlussbericht über 400 Handlungsempfehlungen ausgesprochen, die eine gewichtige Basis für die weitere kulturpolitische Diskussion in Deutschland spielen werden. Ihr Spektrum reicht von der Bedeutung der Kultur als öffentliche Aufgabe über die Kunstförderung und die Lage der Künstler bis zur Kulturwirtschaft und Kulturellen Bildung. So wird etwa eine »Bundeszentrale für Kulturelle Bildung« vorgeschlagen.

Mit ihrer Arbeit hat die Enquete-Kommission »ein gewichtiges Kapitel kulturpolitischer Geschichte der Bundesrepublik Deutschland geschrieben«, so Oliver Scheytt, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft und Kulturdezernent der Stadt Essen. Mit ihren »Empfehlungen« offeriere die Kommission ein Arbeitsprogramm, das die zentralen Themen und Fragen gegenwärtiger Kultur und Kulturpolitik aufgreift.

Die Kulturpolitische Gesellschaft wird in den nächsten Monaten eine Veranstaltungsreihe organisieren, um die Ergebnisse zu vertiefen. »Als Kulturpolitische Gesellschaft sehen wir es als unsere Aufgabe an, an der Diskussion und Umsetzung der Handlungsempfehlungen mitzuwirken«, schreibt Scheytt in den Kulturpolitischen Mitteilungen, die in der nächsten Woche erscheinen. Der »Schlussbericht« stehe am Anfang »einer intensiven Auswertung und Umsetzung der Handlungsempfehlungen«.

Die Kulturpolitische Gesellschaft ist ein überparteiliches Diskussionsforum und ein bundesweiter Zusammenschluss von Fachleuten. Folgende Mitglieder wirkten in der Enquete-Kommission mit: Prof. Dr. Oliver Scheytt, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft und Kulturdezernent der Stadt Essen, die Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg und Monika Griefahn, MdB, sowie Prof. Dr. Susanne Binas-Preisendörfer und Prof. Dr. Dieter Kramer, die im Kuratorium des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft vertreten sind.

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PDFSchlussbericht der Enquete-Kommission (Drucksache 16/7000)

Bonn, 12. Dezember 2007

Integration durch interkulturelle Bildung

Kulturpolitische Gesellschaft fordert mehr Fördermittel

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»Interkulturelle Bildung kann verborgene Schätze heben, die die Kultur in Deutschland bereichern. Die Praxis ist vielerorts schon sehr weit vorangeschritten. Davon zu lernen heißt, eine neue interkulturelle Zukunft zu gewinnen. Angesichts der multikulturellen Realität in Deutschland hat die gelingende Integration der zugewanderten und hier geborenen Menschen mit anderen kulturellen Traditionen höchste Priorität«, erklärte der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V., Prof. Dr. Oliver Scheytt, bei der Tagung »Interkulturelle Bildung – ein Weg zur Integration?« am 14./15. November in Bonn. Die Tagung wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Kooperation mit der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. durchgeführt. Dies sei auch die Bedingung dafür, dass sich »unser Land weiterhin wirtschaftlich, sozial und kulturell entwickelt.« Auch die Kulturpolitik müsse ihren Beitrag zur Integration leisten.

Scheytt verwies in seine Eröffnungsrede auf die vielfältigen integrativen Aktivitäten staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure im Kulturbereich. Nach wie vor bestehe der Eindruck, dass »wir noch am Anfang einer nachholenden Integrationspolitik stehen«. Den guten Worten sollten nun auch Taten der öffentlichen Kultureinrichtungen folgen, die ihre Angebote interkulturell qualifizieren müßten. Migranten fänden zu selten den Weg in die Museen und Theater. Bund und Länder forderte er auf, »Fonds für interkulturelle Bildung und Kulturarbeit« einzurichten, um ambitionierte Praxisprojekte gezielt fördern zu können.

»Interkulturelle Bildung ist ein Schlüssel zur Integration«, resümierte Scheytt vor knapp 200 Tagungsgästen aus ganz Deutschland, an der auch Kinder und Jugendliche als »Experten in eigener Sache« teilnahmen und über die eigenen Erfahrungen in interkulturellen Projekten berichteten.

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Bonn, den 15. November 2007

»Mehr Substanz für die Kulturnation« - Kultur muss Staatsziel werden!

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Am 9. Oktober 2007 hat die SPD-Bundestagsfraktion beschlossen, Kultur als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern. Konkret soll der Artikel 20, Absatz 1, um den Satz ergänzt werden: »Der Staat schützt und fördert die Kultur.« Dazu erklärt der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V., Prof. Dr. Oliver Scheytt:

»Der Beschluss der SPD-Bundestagsfraktion ist ein wichtiger Schritt. Jetzt sind es nicht mehr nur die Kulturpolitiker, die ein Staatsziel Kultur fordern, sondern die zweitgrößte Fraktion des Bundestages stellt sich dahinter. Nachdem die Oppositionsparteien sich der Idee ohnehin nicht verschließen, ist jetzt die CDU/CSU-Fraktion gefordert, der Empfehlung der Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland« vom 1. Juni 2005 zu folgen und »grünes Licht« für einen entsprechenden Parlamentsbeschluss zu geben.

Wir brauchen das Staatziel Kultur, um Kultur als öffentliches Gut und als Aufgabenfeld der Politik zu stärken. Trotz unbestreitbarer Erfolge der letzten Jahrzehnte stehen uns hier noch große Aufgaben bevor, um das Bürgerrecht Kultur zu verwirklichen. Die Kulturelle Bildung muss intensiviert werden, um mehr Teilhabegerechtigkeit zu erreichen. Die Arbeits- und Lebenssituation der Künstler ist unbefriedigend. Die kulturelle Integration der Migranten bedarf viel größerer kulturpolitischer Anstrengungen. Europa muss auch als kulturelles Projekt gesehen und gestaltet werden.

Die Verankerung eines Staatsziels Kultur im Grundgesetz kann das Bewusstsein dafür stärken, welche herausragende Bedeutung Kunst und Kultur für das Zusammenleben der Menschen und die Entwicklung jedes Individuums haben. Alle Akteure in diesem komplexen Politik- und Aufgabenfeld würden dadurch ermutigt, ihre Arbeit mit neuem Elan und neuer Zuversicht anzugehen. Bund, Länder und Gemeinden, aber auch die Künstler und Kulturschaffenden sowie bürgerschaftliche Organisationen könnten sich darauf berufen. Der Kulturstaat Deutschland würde dadurch noch mehr Substanz bekommen. Mit der Aufnahme von Kultur als Staatsziel im Grundgesetz bekennt sich der Staat zu seiner Verantwortung, das kulturelle Erbe zu bewahren, Kunst und Kultur zu fördern und weiter zu entwickeln. Wir fordern deshalb alle im Bundestag vertretenen Parteien auf, sich für die Aufnahme des Staatsziels Kultur im Grundgesetz einzusetzen.«

Prof. Dr. Oliver Scheytt
Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.

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Bonn, 17. Oktober 2007

Die Zukunft der Kulturpolitik ist interkulturell

Erklärung des Vorstandes der Kulturpolitischen Gesellschaft

Der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft hat sich auf seiner Sitzung am 14. September 2007 in Berlin-Neukölln mit dem Kulturteil des »Nationalen Integrationsplans« befasst, den die Bundesregierung im Rahmen des zweiten Integrationsgipfels im Sommer vorgestellt hat. Er sieht darin eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung und Qualifizierung einer interkulturellen Kulturarbeit. In dem Kapitel zum Themenfeld »Kultur und Integration« wird die Bedeutung von Kultur und Kulturpolitik für die gesellschaftliche Integration hervorgehoben. Ausgangspunkt ist die Aussage, dass Deutschland »eine europäisch gewachsene und über Jahrhunderte auch durch Migration geprägte Kulturnation« sei. Er begrüßt diese klare Feststellung und ist ebenfalls der Auffassung, dass »ohne jahrhundertlange kulturelle Wechselwirkungen über staatliche Grenzen hinweg, ohne die stete Aneignung von ursprünglich fremden kulturellen Einflüssen Europa in seiner Vielfalt und seinen gemeinsamen Werten nicht denkbar wäre«.

Mit der kulturellen Bildung, der Verantwortung der Kultureinrichtungen für interkulturelle Angebote und der Bestimmung »kultureller Integration als übergreifende Querschnittsaufgabe« stehen drei Themenschwerpunkte im Mittelpunkt. Die Kulturpolitische Gesellschaft versteht kulturelle Integration als gemeinsame Aufgabe aller im Kunst- und Kulturbereich und in der Kulturpolitik Tätigen. Die Integration aller Menschen gleich welcher Herkunft, religiösen Glaubens und kultureller Orientierung, die in Deutschland - unter Anerkennung der hier bestehenden Werteordnung - leben und leben wollen, bildet für die Kulturpolitische Gesellschaft eine der zentralen Aufgaben einer gesellschaftspolitisch verantworteten Kulturpolitik.

Kulturarbeit und Kulturpolitik kommen bei der gesellschaftlichen Integration eine bedeutende Rolle zu. Im Feld von Kunst und Kultur kann besser als in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen die Akzeptanz kultureller Vielfalt und die Anerkennung des Anderen praktisch werden und die Auseinandersetzung über verbindende Werte und unterscheidende kulturelle Orientierungen im alltäglichen Leben geführt werden. Seit einigen Jahren gibt es besonders auf kommunaler Ebene eine wachsende Zahl praktischer Ansätze interkultureller Kulturarbeit und kultureller Bildung. Jetzt ist es notwendig, für eine weitere Verbreitung dieser Aktivitäten in allen Kulturinstitutionen und kulturell-künstlerischen Feldern zu sorgen und die kritische Reflexion der bisherigen Erfahrungen und Praxisansätze zu befördern. Mit dem »Nationalen Integrationsplan« und der im März in Kraft getretenen UNESCO-Konvention zum »Schutz kultureller Vielfalt« sowie der »Mitteilung über eine europäische Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung« der EU-Kommission vom Mai liegen drei Dokumente vor, die hierfür neue Anregungen und Impulse geben.

Im Sinne einer um Integration bemühten Kulturpolitik für das friedliche Zusammenleben der Menschen in einer globalisierten Welt wird die Kulturpolitische Gesellschaft ihre bisherigen Aktivitäten in diesem Bereich zukünftig weiter verstärken. Dies wird sich u.a. in folgenden Aktivitäten niederschlagen:

Die Kulturpolitische Gesellschaft sieht dieses Engagement als Beitrag zur notwendigen Stärkung einer demokratischen und toleranten Gesellschaft, in der die Menschen unter Beachtung des Rechtes auf kulturelle Selbstbestimmung und freie Religionsausübung friedlich zusammenleben können. Auf diesem Hintergrund gilt für uns nach wie vor: Die Zukunft der Kulturpolitik ist interkulturell!

Prof. Dr. Oliver Scheytt
Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.

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Bonn/Berlin, den 14. September 2007

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