Pressemitteilungen 2008

Kulturpreis an »48 Stunden Neukölln«

Kulturpolitische Gesellschaft zeichnet Berliner Kiez-Festival aus

Der diesjährige Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft geht an das »Kulturnetzwerk Neukölln« für sein Projekt »48 Stunden Neukölln«. Das gleichnamige Festival, an dem wiederholt weit mehr als 1.000 Kulturschaffende beteiligt sind, gilt inzwischen als die Gelegenheit in Berlin, Einblick in den Entwicklungsprozess von »urban art« und Avantgarde aller Art zu nehmen.

Die Tatsache, dass der Berliner Bezirk Neukölln zu den kulturell lebendigsten der Hauptstadt gehört, hat sich mittlerweile bis zur Stadtspitze herumgesprochen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sieht hier »immer mehr Zutaten vorhanden, die ein aufregendes, angesagtes Viertel ausmachen: Hinterhof-Ateliers und kleine Designshops, hippe Ladenlokale und trendige Cafés, Kulturvereine mit breitem Veranstaltungsangebot und eine stetig wachsende kreative Szene«.

Für den Präsidenten der Kulturpolitischen Gesellschaft, Prof. Dr. Oliver Scheytt, ist gerade die Verbindung von kreativem Milieu und aktivierender Kulturpolitik eine Chance für die zukünftige Stadt- und Quartiersentwicklung. »Das Konzept, einen Stadtteil über 48 Stunden lang mit Kunst und Kultur zum Leben zu bringen und dabei seine kreativen Entwicklungspotenziale aufzudecken, ist einzigartig und überzeugend. Mit dem Preis soll die beispielhafte Kulturarbeit gewürdigt werden, die nun bereits zum zehnten Mal im Rahmen des Festivals geleistet wird.«

Doch nicht nur die zahlreichen Kunst- und Kulturaktivitäten von »48 Stunden Neukölln« sind preiswürdig, ebenso lobenswert ist die Organisation und Umsetzung der Arbeit vor Ort, die auf ein breites Netzwerk der im Kiez verankerten Künstlerinnen und Künstler setzt. Hier inszeniert sich ein Stadtteil selbst und zeigt damit, dass Kunst und Kultur nicht nur symbolisch zum Motor der Stadtentwicklung werden können.

Dass das Kulturnetzwerk Neukölln für seine Tätigkeit die Fördermöglichkeiten des 2. und 3. Arbeitsmarktes nutzt und vor allem Aktive und Anwohnerschaft einbezieht, unterstreicht zudem die soziale Verantwortung der Neuköllner Initiative. »48 Stunden Neukölln« leistet damit im wahrsten Sinne des Wortes Entwicklungshilfe: für den Stadtteil und seine Menschen, für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler und nicht zuletzt für die Kunst und Kultur, die sich immer wieder als innovativste Kraft des Stadtteils erweisen.

Der mit 2.000 Euro dotierte Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft wird seit 1977 für eine beispielhafte kulturelle Aktion oder Initiative vergeben. Preisträger 2007 war das »Unperfekthaus« in Essen für sein vorbildliches mäzenatisches Engagement an der Schnittstelle von Kultur und Kreativwirtschaft.
Die Preisverleihung findet am 14. November 2008 ab 19.00 Uhr in der Alten Post (Karl-Marx-Straße 97-99) in Berlin-Neukölln statt. Weitere Infos erhalten Sie direkt beim Preisträger, dem Kulturnetzwerk Neukölln, bzw. dem prämierten Projektbüro (www.48-stunden-neukoelln.de).

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Bonn, den 22. Oktober 2008

Konzeptförderung Soziokultureller Zentren in Nordrhein-Westfalen geht in die zweite Runde

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Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hatte für die Jahre 2006–2008 ein neues Förderprogramm für Soziokulturelle Zentren ausgeschrieben, mit dem ausgewählte Zentren in die Lage versetzt werden sollten, in einem Zeitraum von drei Jahren ihre künstlerischen Schwerpunkte weiter zu entwickeln. Dieses Förderprogramm wird nun für den Zeitraum 2009–2011 erneut ausgeschrieben. Hierfür soll ein Etat von 250.000 € jährlich zur Verfügung gestellt werden. Die nordrhein-westfälischen Zentren können sich um Fördermittel von maximal 40.000 € pro Jahr bewerben.

Die Landesregierung geht dabei davon aus, dass die Soziokulturellen Zentren einen Beitrag zum gesellschaftlichen Wandel auf Stadtteilebene und auf der regionalen Ebene leisten und dass die Künste hierbei eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Durch die Landesförderung sollen die Zentren bei der Entwicklung künstlerischer Konzepte unterstützt werden.

Einsendeschluss für die Anträge ist der 31. Dezember 2008, Beginn der Förderphase soll der 1. März 2009 sein.

Die Landesregierung hat das Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft mit der Betreuung der Ausschreibung und des Auswahlverfahrens beauftragt, für das eine Fachjury berufen wird.

PDFAusschreibung (PDF),
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Bonn, den 22. Oktober 2008

Tarifgerechtigkeit für alle!

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Freie Träger dürfen nicht benachteiligt werden

Die Kulturpolitische Gesellschaft befürchtet, dass die Tarifsteigerungen im Öffentlichen Dienst zu Lasten frei-gemeinnütziger Träger gehen und fordert Bund, Länder und Kommunen auf, bei ihren Zuwendungen auch die Mehraufwendungen für eine tarifliche Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in nicht-staatlichen Kultureinrichtungen zu berücksichtigen.

Der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, der Essener Kulturdezernent Prof. Dr. Oliver Scheytt, erklärte dazu:

»Die für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst erfreulich positive Tarifvereinbarung hat bei gedeckelten Haushalten vor allem im Kulturbereich eine Kehrseite. Kulturprogramme und Ankaufsetats müssen reduziert werden und vor allem wird bei den Zuwendungen der freien Kulturträger gespart. Sie werden dadurch finanziell schlechter gestellt und müssen vielfach in ihren Personalbudgets sogar Abstriche machen. Es kann aber nicht sein, dass die berechtigten tariflichen Zuwächse in Ministerien und Behörden letztlich auf Kosten der Kultureinrichtungen und der freien Kulturszene gehen.

Wenn wir wollen, dass der öffentliche Kulturauftrag kooperativ zwischen staatlichen und frei-gemeinnützigen Trägern wahrgenommen wird, wie es nicht zuletzt die Enquete-Kommission Kultur in Deutschland in ihrem Abschlussbericht bekräftigt, dann sollten die Partner auch unter vergleichbaren tarifrechtlichen Bedingungen arbeiten können. Sonst wird die Verantwortungspartnerschaft zur Farce. Deshalb sind die Zuwendungen entsprechend aufzustocken.«

Die Kulturpolitische Gesellschaft e.V. ist ein bundesweiter Zusammenschluss von z. Zt. ca. 1.400 kulturpolitisch engagierten Mitgliedern aus den Bereichen Kulturarbeit, Kunst, Politik, Wissenschaft, Publizistik und Kulturverwaltung. 1976 von reformorientierten KulturpolitikerInnen gegründet, setzt sie sich für eine aktive Kulturpolitik ein, die kulturelle Vielfalt und künstlerische Freiheit als Grundlagen einer demokratischen multikulturellen Gesellschaft sichert und möglichst vielen Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht.

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Bonn, den 18. Juni 2008

Kulturpreisträger »Radio Mulikulti« nicht einstellen!

Kulturpolitische Gesellschaft fordert Weiterbetrieb des Berliner Integrationssenders

Der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft hat die Ankündigung des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), zum Jahresende den Betrieb von Radio Multikulti einzustellen, mit Bestürzung zur Kenntnis genommen. Er wendet sich entschieden gegen das Vorhaben von RBB-Intendantin Dagmar Reim, ein bundesweit einmaliges Radioprogramm für die multikulturelle Vielfalt der Hauptstadt aus vermeintlichen Kostengründen auslaufen zu lassen.

Präsident Prof. Dr. Oliver Scheytt erklärte dazu:

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»Finanzielle Sachzwänge dürfen kein Ersatz für fehlende kulturpolitische Argumente sein, zumal das Einsparungspotenzial im keinem Verhältnis zum integrativen Nutzen von Radio Multikulti steht. Berlin braucht einen eigenständigen Radiosender, der die kulturellen Belange der zahlreichen MigrantInnen und ZuwanderInnen aufgreift und zu seiner Angelegenheit macht. In dieser Hinsicht wäre auch die ersatzweise Übernahme des WDR-Programms von »Funkhaus Europa« keine Alternative.«

Im Europäischen Jahr des Interkulturellen Dialogs und nicht einmal 6 Monate nach Verabschiedung des Nationalen Integrationsplans – so Scheytt weiter – werde mit der Entscheidung des RBB ein kulturpolitisches Zeichen gesetzt, das den zahlreichen integrationspolitischen Bemühungen von Bund, Ländern und Kommunen einen Schlag ins Gesicht versetze. Er frage sich, wie man kulturelle Vielfalt als gesellschaftlichen Reichtum begreifen und deren Gestaltung als öffentliche Aufgabe definieren könne, "wenn man gleichzeitig zentrale Medien für interkulturelle Teilhabe und Kommunikation einstellt".

Bereits 1995, ein Jahr nach der Gründung von »SFB 4 Multikulti«, dem später vom Rundfunk Berlin Brandenburg weitergeführtem Programmangebot, erhielt der damals wie heute vorbildliche Sender den »Kulturpreis der Kulturpolitischen Gesellschaft« für sein beispielhaftes Wirken in der multiethnischen Gesellschaft. In der damaligen Begründung für die Preisvergabe heißt es: „Radio Multikulti ist in umfassendem Sinn ein Modell für eine zeitgemäße Medienpolitik in einer multikulturellen Gesellschaft. Es gibt heutzutage keine Alternative zur kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft. Nicht ob sie sein soll, ist die entscheidende Frage, sondern wie wir sie gestalten wollen.“

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Dieser kulturpolitische Gestaltungsauftrag ist für die Kulturpolitische Gesellschaft heute so aktuell wie vor 13 Jahren, wenn nicht aktueller. „Um ihn verantwortungsvoll wahrnehmen zu können, braucht es engagierte Journalisten und »Gesinnungstäter«, die aus eigener Erfahrung wissen, was kulturelle Vielfalt bedeutet, wo die Probleme, aber auch die Chancen liegen. Diese Menschen haben bei Radio Multikulti eine effektive Wirkungsstätte gefunden – und ihre Hörerinnen und Hörer ein einmaliges interessantes Programmangebot“, erklärte Oliver Scheytt.

»Beides darf nicht wegen finanzieller Engpässe infragegestellt werden. Hier gilt es, Prioritäten zu setzen. Deshalb appellieren wir eindringlich an alle Verantwortlichen, Radio Multikulti zu erhalten und weiterzuführen.«

Die Kulturpolitische Gesellschaft e.V. ist ein bundesweiter Zusammenschluss von zurzeit ca. 1.400 kulturpolitisch engagierten Mitgliedern aus den Bereichen Kulturarbeit, Kunst, Politik, Wissenschaft, Publizistik und Kulturverwaltung. 1976 von reformorientierten KulturpolitikerInnen gegründet, setzt sie sich für eine aktive Kulturpolitik ein, die kulturelle Vielfalt und künstlerische Freiheit als Grundlagen einer demokratischen multikulturellen Gesellschaft sichert und möglichst vielen Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht.

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Bonn, den 10. Juni 2008