Pressemitteilungen 2015

Kulturpolitische Gesellschaft mit neuem Vorstand

Oliver Scheytt als Präsident wiedergewählt – Birgit Mandel neue Vizepräsidentin – Stärkung der Regionalarbeit

Die Mitglieder der Kulturpolitischen Gesellschaft haben auf ihrer Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Prof. Dr. Oliver Scheytt ist dabei für weitere drei Jahre in seinem Amt als Präsident bestätigt worden. Der frühere Essener Kulturdezernent und Professor für Kulturpolitik an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg führt den Verband seit 1997.

Vizepräsident Tobias J. Knoblich (Kulturdirektor der Stadt Erfurt) wurde ebenfalls in seinem Amt bestätigt. Als neues Mitglied des geschäftsführenden Vorstands wurde Prof. Dr. Birgit Mandel (Universität Hildesheim) gewählt. Sie folgt auf die Kulturbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam, Iris Magdowski, die nach 15 Jahren aktiver Mitgliedschaft im Vorstand nicht mehr kandidierte. Schatzmeister des Vorstands bleibt der Leiter der Kulturbetriebe Dortmund, Kurt Eichler.

Neu gewählt wurden: Der Amtsleiter der Kulturbetriebe Chemnitz Ferenc Csák, Carmen Emigholz, Staatsrätin für Kultur der Freien und Hansestadt Bremen, die Kulturreferentin und berufsmäßige Stadträtin der Stadt Nürnberg, Prof. Dr. Julia Lehner, Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld, Kaufmännischer Direktor und Vorstand der Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, sowie Daniela Rathe, ehemalige Leiterin des Fachbereichs Kunst und Kultur der Universitätsstadt Tübingen und seit kurzem zuständig für den Bereich Kultur und Gesellschaft in der Unternehmenskommunikation der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG. Wiedergewählt wurden Andreas Bialas MdL, Siegmund Ehrmann MdB, Prof. Dr. Andrea Hausmann, Bernd Hesse, Adil Kaya, Achim Könneke, Eva Leipprand, Friederike Menz, Dr. Dieter Rossmeissl und Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, MdL.

Nicht mehr kandidierten neben Iris Magdowski auch Hajo Cornel, Dr. Dorothea Kolland und Dr. Ralf Lunau. Der Präsident Oliver Scheytt würdigte im Rahmen der Mitgliederversammlung die Arbeit der vier ausgeschiedenen Mitglieder und bedankte sich herzlich für ihr Engagement.

In seinem Rechenschaftsbericht verwies der Präsident mit Bezug auf die terroristischen Anschläge in Paris auf die Notwendigkeit, dem Thema der innergesellschaftlichen kulturellen Verständigung und der außenkulturpolitischen Neuorientierung mehr Aufmerksamkeit zu widmen: »Die Vorfälle in Paris lenken unsere Aufmerksamkeit auf die Themen der inneren Sicherheit. Tatsächlich aber kann gerade jetzt Kulturpolitik dazu beitragen, zukünftig stärker an kulturellen Verständigungsprozessen in der Gesellschaft zu arbeiten. Denn Kulturpolitik ist Gesellschaftspolitik und damit auch Demokratiepolitik. Nie war der Satz aktueller denn jetzt!«, sagte Oliver Scheytt auf der Mitgliederversammlung.

Kritisiert wurde auf der Mitgliederversammlung die Zurückhaltung des Bundes beim Thema Kulturpolitikforschung. Trotz intensiver Bemühungen durch die Kulturpolitische Gesellschaft und trotz einer eindeutigen Selbstverpflichtung im Koalitionsvertrag sei in dieser Frage nichts geschehen. Dabei sei völlig unbestritten, dass Deutschland in der Kulturpolitikforschung große empirische Defizite aufweise. Ohne ausreichendes Wissen um Veränderungsprozesse bleibe auch Kulturpolitik hinter ihren Möglichkeiten.

Beschlossen wurde eine neue Satzung, die u.a. auch eine Stärkung der Regionalarbeit vorsieht. Künftig sollen zwei KandidatInnen für den Vorstand durch SprecherInnen der Regional- und Landesgruppen vorgeschlagen werden. Bereits bei dieser Wahl haben aus den Reihen der RegionalsprecherInnen Dr. Hagen Lippe-Weißenfeld und Friederike Menz diese Aufgabe übernommen.

2016 feiert die Kulturpolitische Gesellschaft ihren 40. Geburtstag, der im Sommer in Hamburg begangen wird.

  

PDFDie Presseerklärung als PDF finden Sie hier.

Bonn, den 25. November 2015

  

»Kunst versus Kommerz«

am 20.11.2015 um 19.30 Uhr im Dortmunder U

Zu den Auswirkungen der gesellschaftlichen Veränderungen auf die Kulturpolitik

Öffentlich oder privat? Die kulturpolitischen Dimensionen dieses Gegensatzes traten in NRW spätestens mit dem Verkauf von Kunstwerken der landeseigenen Portigon-AG in die Öffentlichkeit. Dahinter steckt eine Frage, die immer wieder nach neuer Beantwortung und Positionierung verlangt: Wo hört der Staat auf und wo fängt der Markt an? Was sollte allen Bürgerinnen und Bürgern gehören, was nur einzelnen? Und was bedeutet in diesem Kontext dann der Grundsatz der Öffentlichkeit der Kunst?

  

Schon seit vielen Jahren wird viel darüber diskutiert, meist unter der Annahme, die Ökonomisierung – und mit ihr einhergehend die Globalisierung und die Digitalisierung – verdränge den staatlichen Einfluss. Immer weiter dehne sich das Ökonomische in alle Lebensbereiche aus und unterwerfe auch originär staatliche Aufgaben wie die Daseinsvorsorge oder den Bildungs- und Kulturbereich. So gehören die heftigen Proteste gegen das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP in diesen Zusammenhang, gilt das Abkommen doch als Fanal für die Total-Ökonomisierung der Gesellschaft und den Ausverkauf der Politik. Und auch die politischen Stürme, die über die Kulturstaatsministerin Monika Grütters wegen der Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes hinweggingen, passen in diesen Kontext, wurde doch der Vorwurf laut, das Gesetz beschneide unrechtmäßig den Kunsthandel und damit das Privateigentum.

  

Nicht zuletzt die Attentate von Paris werden gesellschaftspolitisch Folgen haben für die Werte unseres Zusammenlebens und die freiheitliche Demokratie.

  

Welche Auswirkungen hat das für die Kulturpolitik? Gerade wenn sie als Demokratiepolitik verstanden wird? Was kann sie leisten und welche Voraussetzungen sind dafür notwendig?

  

Darüber diskutieren am 20.11.2015 ab 19.30 Uhr im Dortmunder U:

  

Die Veranstaltung ist öffentlich, Interessierte sind herzlich eingeladen.

  

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:

Marc Grandmontagne, Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft, T 0228 – 20167 25 oder 0178 50 89 289,

grandmontagne@kupoge.de

  

PDFDie Presseerklärung als PDF finden Sie hier.

Bonn, 18. November 2015

  

  

»Kultur schafft Willkommensräume«

Erklärung der Kulturpolitischen Gesellschaft

Die Verschärfung der Krisen in vielen Regionen der Welt, insbesondere im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und auch in Teilen Osteuropas hat zu einer globalen Flüchtlingsbewegung geführt, die Europa und besonders Deutschland vor eine große Herausforderung stellen. Bis zu 1 Million Flüchtlinge werden in diesem Jahr in unserem Land Asyl suchen, rund ein Drittel davon ist jünger als 17 Jahre. Deutschland bekennt sich zum Grundrecht auf Asyl und ist verpflichtet, diesen Menschen bis zur Entscheidung darüber menschenwürdige Bedingungen zu bieten.

  

Die Kulturpolitische Gesellschaft setzt sich dafür ein, dass die Menschen, die verzweifelt und traumatisiert, aber voller Hoffnung nach Deutschland kommen, hier ein menschenwürdiges Leben und möglicherweise auch eine Zukunft finden. Kulturpolitik, die sich als Gesellschaftspolitik versteht, muss eine Willkommenskultur unterstützen, die diese Bezeichnung verdient.

  

Voraussetzungen für ein Leben im Exil, das trotz aller Verluste einen Neuanfang ermöglicht und Perspektiven in sich birgt, sind die Achtung der Menschenwürde und das Recht auf Persönlichkeitsentfaltung. Dazu gehören Bildung, Wohnung, Arbeit, aber auch Kultur – die eigene wie die des Gastlandes.

  

Kultur steht für uns für die humane Identität einer ganzen Gesellschaft. Sie fördert und ermöglicht soziales Miteinander, gesellschaftliche Kommunikation, die Artikulation von Bedürfnissen und Wünschen, die Reflexion von Erfahrungen, die Entfaltung von Empowerment sowie das Denken und Leben in neuen Zusammenhängen. Deshalb wollen und müssen sich Kulturpolitiker, Kulturschaffende und -vermittler in die Gestaltung von menschenwürdigen Lebensbedingungen von Asylsuchenden und Migranten aktiv einbringen. Politik und Verwaltung sind aufgefordert, dies durch unkomplizierte Zugänge, Fördermöglichkeiten und Strukturen zu ermöglichen. Das beeindruckende Engagement vieler Menschen auch im Kulturbereich zeigt, dass eine Willkommenskultur möglich ist und Kunst und Kultur dafür ein Medium sein können.

  

Die Kulturpolitische Gesellschaft ruft daher Kulturpolitiker aller Ebenen, Kunstinstitutionen und Kulturschaffende auf:

  

Die kulturellen Infrastrukturen, künstlerischen Ansätze und der gesellschaftliche Konsens für die Einbeziehung von Asylsuchenden und Migranten in das kulturelle Leben unseres Landes sind in Deutschland vorhanden. Jetzt ist es an der Zeit, diese Potenziale zu entfalten und zu stärken.

  

Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.

  

PDFDie Presseerklärung als PDF finden Sie hier.

Bonn, 11. September 2015

  

  

Kulturpolitik mit Hand und Fuß – Ohne Fakten tappen wir im Dunkeln

Kulturpolitische Gesellschaft setzt sich für einen »Forschungsverbund Kulturpolitik« ein

Der 8. Kulturpolitische Bundeskongress »Kultur.Macht.Einheit? Kulturpolitik als Transformationspolitik« am 18./19. Juni in Berlin hat gezeigt, wie wichtig Forschungsergebnisse für eine fundierte Kulturpolitik sind. Doch auf diesem Feld gibt es zunehmend Defizite. Statistische Materialien, systematische Analysen des demographischen und sozialen Wandels, Studien zu den Bedürfnissen von Besuchern und Nichtnutzern von Kulturangeboten sind erforderlich, um die kulturelle Infrastruktur in Deutschland adäquat und zeitgemäß auszugestalten.

  

»Das Wissen zu den Veränderungsprozessen in der Gesellschaft und beim Kulturpublikum ist nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Hauptgrund für das Fehlen von Fakten und Erkenntnissen ist, dass die Kulturpolitikforschung in Deutschland weder systematisch vorangetrieben noch in ausreichendem Umfang gefördert wird«, stellt der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, Prof. Dr. Oliver Scheytt, in einer ersten Auswertung des Kongresses fest.

  

In den 25 Jahren seit der Deutschen Einheit habe es gravierende Transformationsprozesse gegeben. Der im Einigungsvertrag geforderte Substanzerhalt sei nach Auffassung der über 300 Kongressteilnehmer vielfach gelungen. »Doch wir brauchen in Anbetracht des rasanten gesellschaftlichen Wandels vor allem durch Digitalisierung und Medialisierung und mit Blick auf die nachwachsende Generation unbedingt ein wissensbasiertes kulturpolitisches Monitoring. Erforderlich sind etwa Statistiken zu den Veränderungen in den Infrastrukturen und zu neuen Kulturinteressen. Diese Aufgabe darf nicht nur Kommunen und Ländern überlassen bleiben, sonst bleiben die Erkenntnisse auf einzelne Regionen beschränkt«, so Oliver Scheytt weiter. Sinnvoll wäre die Begründung eines bundesweiten »Forschungsverbundes Kulturpolitik«, in dem die einschlägigen Hochschulen und Forschungsinstitute mitwirken sollten.

  

Seit Jahren werde regelmäßig von verschiedensten Seiten auf den eklatanten Mangel an Daten und Fakten in Deutschland zur kulturpolitischen Gestaltung und Steuerung hingewiesen. Besonders offenkundig werde das im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa den Niederlanden oder dem Vereinigten Königreich, die genaue Kenntnisse über Institutionen, Förderung, Nutzerverhalten und -präferenzen hätten.

  

»Die Transformation der Gesellschaft ist in vollem Gang. Zuwanderung, Migration und Globalisierung fordern auch die Kulturpolitik mehr denn je. Ohne genaue Kenntnisse darüber ist die Kulturpolitik gezwungen, sich auf einzelne Erfahrungen, die Intuition oder schlimmstenfalls Vermutungen zu verlassen. Der Bund ist gefordert, dieses Defizit schnellstmöglich zu beheben.«, sagte Oliver Scheytt.

  

Der KuPoGe-Präsident verweist insoweit auf den Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD, in dem explizit die Verstärkung der Kulturpolitikforschung vereinbart wurde. Konkrete Vorschläge für die Bildung eines Forschungsverbundes sowie ein kulturpolitisches Monitoring lägen bereits vor.

  

Kulturpolitische Gesellschaft e.V.

  

PDFPresseerklärung

Bonn, 1. Juli 2015