Landesgruppe Bayern

Aktuell

Ortstermine, Kooperationen und Landtagswahl – die neu aufgestellte Landesgruppe Bayern geht mit großen Plänen in den Herbst

Kulturpolitik schöpft ihre Ressourcen aus verschiedenen Quellen. Sie braucht Ziele, um Orientierung geben zu können. Sie braucht Dispute, um die Ziele immer wieder in Frage zu stellen, ihnen demokratische Legitimation zu verschaffen und den Wandel der Gesellschaft zu reflektieren. Und sie braucht Nähe zu Kulturschaffenden wie Publikum, damit Kultur nicht nur das ist, »wo ich nicht bin« (wie es Birgit Mandel provokant formuliert hat), sondern um deutlich werden zu lassen, dass Kulturpolitik mit der Lebenswelt der Menschen zu tun hat und diese beeinflusst. In einem Flächenstaat wie Bayern sind diese Aspekte nicht leicht in Übereinstimmung zu bringen. Zwischen Hof im Norden und Kempten im Süden liegen nicht nur rund 400 km (und fünf Zugstunden), sondern auch sehr unterschiedliche Befindlichkeiten zwischen Franken und Bayern. Die Landesgruppe Bayern versucht, in diesem multiplen Spannungsfeld neue Wege zu finden, die Kulturpolitik als relevant für das Leben in unterschiedlichen Kontexten erfahrbar macht und der Kulturpolitischen Gesellschaft die Möglichkeit gibt, die politische Dimension von Politik, die ihr Selbstverständnis ausmacht, als handlungsrelevant erkennbar werden zu lassen. Nur mit der Chance eigener Beteiligung kann der Versuch gelingen, wieder mehr Menschen für Kulturpolitik zu interessieren.

  

Nach dem organisatorischen Neustart der Landesgruppe Bayern im Mai 2017 hat der neue Sprecherrat eine erste Agenda für die weitere Arbeit erstellt. Eine Projektgruppe hat sich mit den Veranstaltungsformaten befasst. Moderierte Streitgespräche sollen künftig mehr Interesse wecken, Blicke hinter die Kulissen von Einrichtungen, an denen unsere Mitglieder arbeiten, sollen neugierig machen und dezentrale Ortstermine sollen die Präsenz der KuPoGe im Flächenstaat Bayern sichtbarer machen. Mögliche lokale Themen sind dabei die Diskussion um einen neuen Konzertsaal in München oder die Sanierung des Augsburger Theaters. Ein weitreichendes Thema nicht nur für Franken ist die Bewerbung Nürnbergs als Europäische Kulturhauptstadt 2025. Da die Stadt Nürnberg die sie umgebende Metropolregion in Bewerbung und Konzept einbeziehen will, entwickeln sich spannende Diskussionsprozesse zwischen Bewerberstadt, Partnerstädten und Landkreisen, die auch für die KuPoGe gesellschafts- und natürlich kulturpolitisches Potenzial enthalten.

  

Einen besonders guten Anlass, Facetten von Kulturpolitik konkret werden zu lassen, bieten die Landtagswahlen im Herbst 2018. Auch wenn das Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst immer wieder auf die kulturellen Leistungen des Freistaats hinweist, ist die Kultursparte in dem großen Ministerium doch eher am Katzentisch angesiedelt: Von 11 Abteilungen befassen sich 4 mit Schulen, 4 mit Hochschulen und gerade einmal eine einzige mit Kultur. Umso wichtiger ist es, die kulturpolitische Diskussion mit den Parteien und Landtagsfraktionen wieder zu beleben.

  

Der Sprecherrat wird dazu der nächsten Mitgliederversammlung, die am 7. November stattfinden soll, einen Fragenkatalog an die im Landtag vertretenen Parteien vorstellen, der dort diskutiert und schließlich beschlossen werden soll. Musikschulen, Bibliotheken und Theater, die mangelnde Transparenz des staatlichen Kulturfonds, kulturelle Bildung, interkommunale Kulturarbeit und die in der bayerischen Förderpolitik völlig ignorierte Soziokultur sollen dabei wichtige Themen sein. Und natürlich wollen wir auch nach den grundsätzlichen Zielen bayerischer Kulturpolitik fragen, die sich im Freistaat weitgehend retrospektiv gibt und künftige Entwicklungen kaum thematisiert.

  

Wenn wir über die eigenen Reihen hinaus wahrgenommen werden und nicht nur fragen, sondern auch Einfluss nehmen wollen, dürfen wir uns nicht isoliert bewegen. Es gibt in Bayern eine Anzahl kulturell aktiver Organisationen, die oft ähnliche Ziele verfolgen wie wir. Das geschieht dort meist partikular, aber genau darin liegt die Chance der KuPoGe: Netzwerkarbeit zu versuchen. Wir sind derzeit dabei, mögliche Kontaktpartner zu orten und wollen im Frühjahr 2018 zu einem Meinungsaustausch-Treffen einladen.

 

Für das Wochenende vom 2. bis 4. März 2018 lädt die Evangelische Akademie Tutzing wieder zu einer Tagung ein, die traditionell auch von der KupoGe-Landesgruppe mit getragen wird. Diesmal soll es um die Funktion der Stadt gehen, die im Spannungsfeld von Liberalität und Abgrenzung, von Krankheit und Widerstandsfähigkeit aufgesucht werden soll. Wir werden mit einem Beitrag des Autors dieser Zeilen vertreten sein, der die KuPoGe auch auf dem Abschlusspodium vertritt.

Dieter Rossmeissl

 

 

Dokumente

Wahlprüfsteine 2013 – zusammenfassende Pressemitteilung

Wahlprüfsteine 2013: Die Antworten der Parteien im Originaltext

Positionspapier der KuPoGe-Landesgruppe Bayern in der Ev. Akademie Tutzing (8–10. März 2013)

Chronik der Aktivitäten der Landesgruppe Bayern (1993 bis 2013)

Bausteine Bayerischer Kulturpolitik – 3. Auflge (2008)
(Im Laufe der letzten 15 Jahre erarbeitete Diskussionsgrundlage auf rund 100 Seiten)

Wahlprüfsteine und Antworten der Parteien zur Landtagswahl 2008

 

Dokumente der Bayerischen Staatsregierung

Leitlinien bayerischer Kulturpolitik

Stellungnahme der KuPoGe Bayern zu den Leitlinien der Staatsregierung

Regierungserklärung von Staatsminister Heubisch am 4.12.2012

Kulturstaat Bayern – Förderung von Kunst und Kultur (2010)

 

Portrait

Die Regionalgruppe Bayern gehört zu den aktivsten des Verbandes. Gemeinsam mit dem ehemaligen Vorstandsmitglied Wolfgang Zacharias hat sich bereits vor Jahren ein aktiver Kreis von kulturpolitischen SprecherInnen gefunden, der die Kulturentwicklung im Freistaat kritisch begleitet und soweit möglich mitgestaltet. Die Landesgruppe, unterstützt durch einen alle zwei Jahre neu gewählten Sprecherrat, engagiert sich aktiv bei Fragen der Landeskulturpolitik, verfasst Resolutionen, organisiert Veranstaltungen und treibt die Vernetzung der kulturpolitischen Akteure vor Ort – vor allem in den Großräumen München und Nürnberg – voran. Ein traditionelles Standbein ist dabei die jährliche Tagung in der Ev. Akademie Tutzing, gemeinsam mit dem Kulturausschuss des Bayerischen Städtetages und der Landeszentrale für politische Bildung, die jeweils aktuelle kulturpolitische Themen (2015: »Kultur.Leben« – Zur Situation der Laien- und Breitenkultur) behandelt und dabei immer auch die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband sucht. Die Tutzinger Tagung gilt zudem als »Jahresversammlung« des KuPoGe-Landesverbandes. Immer wieder aktuell ist zudem die Weiterarbeit an den »Bausteinen bayerischer Kulturpolitik« als umfassende Diskussionsgrundlage für die Landeskulturpolitik und ihre wünschenswerte Ausrichtung.

 

Kontakt

Michael Dietrich, PA/SPIELkultur e.V., Leopoldstraße 61, 80802 München,
T 089/383 383 10, bayern@kupoge-regional.de

pfeil_ob.gif