Regionalgruppe Hamburg

Aktuell

Kultur – Politik – Wirtschaft

Das 40. Jubiläum der Kulturpolitischen Gesellschaft im letzten Jahr hat die Anregung für die Weiterarbeit an diesem Themenfeld gegeben. Ein Workshop und eine Open Space-Arbeitsgruppe haben sich 2016 auf der Konferenz intensiv mit dem Verhältnis von Kultur, Politik und Wirtschaft beschäftigt: Braucht die Kultur die Wirtschaft? Oder ist in erster Linie Politik für die Kulturförderung zuständig? Muss immer gelten: Wirtschaft fördert Kultur? Oder ist auch »Kultur fördert Wirtschaft« möglich? Wenn ja, was kann Wirtschaft von Kultur lernen? Und kann auch Kultur etwas von Wirtschaft lernen, nicht nur Gelder einzuwerben?

  

Dieses Thema verfolgen wir auch im laufenden Jahr vor Ort weiter. Eine Programmsäule sind dabei Exkursionen in Kulturbetriebe, die in diesem Sinn Best-Practice-Beispiele sind. Die letzte Veranstaltung führte uns dabei in den Kulturpalast Hamburg – die große Soziokultureinrichtung im Hamburger Osten. Der Kulturpalast zeigt exemplarisch, wie es gelingt, durch enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft über Jahrzehnte Wachstum zu generieren und immer neue Angebote für ein sich veränderndes Umfeld zu entwickeln.

  

Aus den Anfängen einer kleinen Stadtteilinitiative in Hamburgs Osten in einer besetzten ehemaligen Polizeiwache ist in den letzten Jahrzehnten eines der erfolgreichsten Stadtteilkulturzentren Hamburgs geworden. Inzwischen als Stiftung organisiert, macht der Kulturpalast einen Jahresumsatz von ca. 3,5 Mio. € mit einer Eigenfinanzierungsquote von fast 75 %. Fast 250.000 Besucher jährlich nutzen das Angebot von über 450 Kursen und über 300 Veranstaltungen. Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte!

  

Anfang 2017 gab es wieder einen Wachstumsschritt: Die »Elbphilharmonie der Stadtteilkultur« – der Neubau des Kulturpalasts an der Bille wurde eröffnet, bereits einen Tag vor der »großen Schwester« an der Elbe. Wir waren eingeladen, die neuen Räume zu besichtigen und mit den Machern ins Gespräch zu kommen.

  

Personelle Kontinuität und Innovationsfähigkeit in der Leitung von Dörte Inselmann und die Unterstützung durch den Geschäftsführer Jochen Schindlbeck, die langfristige Zusammenarbeit mit dem Partner und Sponsor Otto Wulff Bauunternehmung, deren Inhaberfamilie auch in der Stiftung engagiert ist, und die Zusammenarbeit mit weiteren Förderstiftungen hat diese Entwicklung möglich gemacht.

  

Der Kulturpalast zeigt, dass hohes Engagement für benachteiligte Kinder und Jugendliche in einem Stadtteil mit 75 Prozent Migrationshintergrund in der jungen Generation, verbunden mit unternehmerischem Denken und starker Markenführung, die eine klare Identität widerspiegelt, ein echtes Erfolgsmodell ist. Bestes Beispiel ist die Marke »Hip Hop Academy«: Das Programm bietet Trainings auf verschiedenen Levels in Schulen und im hauseigenen Studio, begabte Jugendliche werden in die Academy aufgenommen und weiter gefördert. Die Academy entwickelt eigene künstlerische Programme und ist Gast auf anderen Veranstaltungen, zuletzt mit einer Eigenproduktion und als künstlerischer Kooperationspartner beim Theater der Welt-Festival in Hamburg. Die Academy bietet aber auch Show-Auftritte und Workshops für Unternehmen an, und trägt so wiederum zur Refinanzierung bei.

  

Für die Regionalgruppe war es ein spannender und informativer Exkursionsabend, der in vielen kleinen Gesprächsrunden in der ebenfalls neuen Palastküche endete. Weitere Ausflüge in die Hamburger Kulturlandschaft sind in Planung. Im wiedereröffneten Planetarium greifen wir nach den Sternen: Der Landesbetrieb mit seinem langjährigen Direktor Thomas W. Kraupe ist nach dem Umbau technisch wieder auf dem allerneuesten Stand und bietet beeindruckendes Sternentheater. Uns interessiert aber genauso der Blick hinter die Kulissen! Und wir diskutieren mit der neuen Direktorin des Altonaer Museums, Dr. Anja Dauschek, über ihre neuen Ideen für ein traditionsreiches Museum.

  

Zusammen mit dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) bereiten wir einen Diskussionsabend zum Thema »Kunst und Markt« vor: Was passiert, wenn zwei völlig unterschiedliche Systemlogiken aufeinandertreffen? Als Gast eingeladen ist Wolfgang Ullrich, dessen Publikation »Siegerkunst« streitbare Thesen zum Thema liefert.

  

Weiterer Stoff für die Auseinandersetzung zum Thema »Kultur – Politik – Wirtschaft«!

Im Namen des Sprecherteams: Annette Jagla

    

 

Portrait

Die Hansestadt an der Elbe hat seit den letzten zwei Jahren einen Sprung nach vorn gemacht. Dabei entwickelten AbsolventInnen des Hamburger Instituts für Kultur- und Medienmanagement und der Leuphana Uni Lüneburg neue Impulse für die Regionalgruppenarbeit, die bis dahin kontinuierlich von Kerstin Meyer organisiert worden war. Unter der Leitung von Wiebke Hahn, Tabea Herrmann und Robert Peper wurde ein altes Veranstaltungsformat mit neuem Leben gefüllt, das als »Kulturpolitischer Stammtisch« regelmäßig aktuelle Probleme der Hansestadt aufgreift und auch über den Kreis der KuPoGe-Mitglieder hinaus immer sein Publikum findet. Die Bürgerschaftswahlen in Hamburg im Frühjahr 2015 ließen auch das Interesse an kulturpolitischen Fragestellungen steigen. So bot sich reichlich Gelegenheit, mit den verantwortlichen KulturpolitikerInnen über die Zukunft der Stadt jenseits der kulturellen Leuchttürme wie die Elbphilharmonie zu diskutieren. Gegenwärtig ist die Regionalgruppe stark in die Vorbereitungen zum 40-jährigen Jubiläum der Kulturpolitischen Gesellschaft im Juni 2016 involviert, ab sofort unter der Leitung von Annette Jagla und Robert Peper.

Eine Doppelspitze: Annette Jagla und Robert Peper leiten zukünftig die Regionalgruppe Hamburg

 

Kontakt

Dr. Robert Peper, Dr. Annette Jagla

hamburg@kupoge-regional.de

www.facebook.com/pages/Kulturpolitische-Gesellschaft-Hamburg/748270755293959d

 

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