Landesgruppe Hessen

Aktuell

»Kultur als Willkommenskultur«

»Musikprojekte als Instrument in der Flüchtlingsarbeit« stellten Kulturinitiativen, -institutionen und -schaffende am 7. Juni bei einer Themenveranstaltung der Landesgruppe Hessen in den Räumen der Kulturregion FrankfurtRheinMain vor. Dabei wurden bewusst drei Projekte mit stark unterschiedlichem Profil präsentiert.

 

Ein bereits sehr erfolgreiches Projekt mit dokumentierbarer Innen- wie Außenwirkung ist ›Bridges – Musik verbindet‹. Der Verein, dessen Arbeit die Projektleiter Johanna-Leonore Dahlhoff und Robert Stößer vorstellten, setzt nicht nur auf die verbindende Kraft des gemeinsamen Musizierens, sondern auch auf die gegenseitige Inspiration unterschiedlicher Kulturen. In den regelmäßig probenden Ensembles von Bridges spielen beispielsweise Instrumente aus dem arabischen Raum mit europäischen Orchesterinstrumenten zusammen. Dafür hat z.B. der Filmkomponist Rainer Michel (u.a. »Tatort«) spezielle Partituren geschrieben. Die Projektverantwortlichen halten u.a. auch den Kontakt zu den Musikern bis in die Unterkünfte hinein. Gut 50 Auftritte, von denen, so juristisch möglich, die wesentlichen Erträge an die Musiker fließen, sind für 2016 schon vermittelt.

 

Unter dem Motto ›Sing meine Sprache‹ setzen die Stadt Bad Homburg und die dort heimische Kleine Oper Bad Homburg auf Integration und Chancen durch Spracherwerb im gesungenen Text. Dr. Matthias Setzer, Kulturamtsleiter in Bad Homburg, begründete den Ansatz auf lernwissenschaftlicher Basis. Mit Mozarts 'Entführung aus dem Serail' basiert das Projekt auf einem abendländischen Kunstwerk, das sich aufgeschlossen mit dem orientalischen Raum befasst. Nur Teile der Oper werden angenähert ans Original und mit professionellen Akteuren aufgeführt, andere Passagen mit Gruppen von Kindern mit Flüchtlingshintergrund neu erarbeitet. Dabei, betonte Setzer, würden die Kinder weit mehr als Statisten sein, sondern in ihren Bestandteilen der Inszenierung eine wesentliche und für das Publikum wahrnehmbare Rolle spielen.

 

Die Komposition ›Unisono‹ stellte der Seligenstädter Komponist Nicolas Ruegenberg vor. Der 1988 geborene Komponist hat in Berklee und Frankfurt Filmkomposition und Komposition studiert und sein siebenminütiges Werk ›Unisono‹ gemeinsam mit drei syrischen Musikern entworfen. Im März wurde die Komposition in der Berliner Philharmonie durch die Berliner Symphoniker uraufgeführt; u.a. berichtete die Tagesschau ausführlich darüber. Ruegenberg hat das Hauptthema des opulent orchestrierten Stücks entworfen und danach durch die an Oud, Ney und Riq musizierenden Künstler weiterentwickeln lassen. In 'Unisono' tritt das Trio als Concertino-Ensemble mit dem Orchester auf; das Hauptthema wird sowohl orientalisch melodisch-rhythmisch wie auch abendländisch-sinfonisch interpretiert. Sämtliche Einnahmen des Urhebers gehen an die UNO-Flüchtlingshilfe.

 

Eine teils rege Diskussion kulturpolitischer, -wissenschaftlicher und -praktischer Aspekte schloss sich an die jeweiligen Präsentationen an.

Dr. Ralph Philipp Ziegler

 

 

Portrait

Die Landesgruppe Hessen konnte im Berichtszeitraum ebenfalls ihre kulturpolitischen Aktivitäten ausbauen. Dabei standen Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet im Zentrum, zumal mit Ausnahme des Vorstandsmitglieds Bernd Hesse aus Kassel die Mehrzahl der Aktiven der Landesgruppe ohnehin aus dem Großraum Frankfurt/Rhein-Main stammt. Bereits seit 2010 koordiniert ein fünfköpfiger Sprecherkreis die Aktivitäten und vertritt die Gruppe nach außen.

Auch hier haben die Landtagswahlen 2013 neuen kulturpolitischen Schwung in die Regionalgruppenarbeit gebracht. Nach Veranstaltungen zur Zukunft der Kultur in Hessen, zum Wandel der Stadtkultur und zur Kulturellen Bildung sieht die Landesgruppe einen zukünftigen Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Diskussion möglicher Folgen des Freihandelsabkommen TTIP für den Kulturbereich. Darüber hinaus soll auch die Präsenz außerhalb der Rhein-Main-Metropolregion verstärkt werden.

 

Kontakt

Dr. Anette Rein • Schifferstr. 68 • 60594 Frankfurt am Main • ar_welten@yahoo.de

Dr. Ralph Philipp Ziegler • Stadtverwaltung Offenbach am Main • FORUM KULTUR UND SPORT • Herrnstrasse 61 • 63065 Offenbach am Main • Tel: 069/80652388 (Vormittags) • ralph.ziegler@offenbach.de

v.l.n.r.: Bernd Hesse, Britt Baumann, Dr. Ralph Ziegler, Dr. Anette Rein und Klaus-Dieter Stork

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