Regionalgruppe Rhein-Neckar

Aktuell

Wer kuratiert die Digitalisierung?

Und wie verändert sie die Produktionsbedingungen künstlerischen Schaffens?

Nach der Auftaktveranstaltung im September in der Alten Feuerwache lud der Sprecherkreis am 26. Oktober 2017 unter dem Titel »Zukunfts-Kulturen: Zur Digitalisierung in Kunst und Bildung« in die Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim ein. Zu Gast war der Kunstwissenschaftler, Kurator und Experte für elektronische und digitale Kunst Dr. Bernhard Serexhe sowie der Musiker und Geschäftsführer des Startups OnlineLessons.tv Florian Alexandru-Zorn. Ziel des Abends war es, den Austausch zum Thema zu intensivieren und mehr über die Potenziale und Risiken der Digitalisierung im Bereich Bildung und Kultur zu erfahren.

»Kultur – digital: Meet and greet« mit Barbara Neundlinger (2.v.r.)

  

Serexhe betonte die gesellschaftliche Erwartungshaltung zur Digitalisierung und kritisierte den damit einhergehenden Anschluss an Weltkonzerne: Digitalisierung sei nicht »per se« attraktiv und führe auch nicht automatisch zu einem Aufwuchs an Publikum. Als weitere Herausforderungen betonte er den Verfall des frühen digitalen Erbes – und die Urheberrechtsfrage: Abhängigkeiten würden zunehmen, der Künstler sei nicht mehr im Vollbesitz seines Werkes. Alexandru-Zorn, der von der Bundesregierung für sein musikedukatives Angebot »Online-Lessons« ausgezeichnet wurde, betonte dagegen die Chancen der Digitalisierung: Zugangsbarrieren seien reduziert, zukünftig würde die Bewahrung digitaler Formate über Cloudtechnologien erleichtert und Verschiebungen im Markt würden sich sukzessive einpendeln (»weniger Träger, dafür mehr life«). Das Motto sei »To use the internet to get off the internet«.

  

In der regen Diskussion der rund 35 Teilnehmer wurde ein Bedarf nach Gemeinfreiheit konstatiert: Gerade öffentlich finanzierte Akteure müssten sowohl die Kunst und Kultur wie auch ihre Vermittlung den Großkonzernen entziehen und öffentliche Plattformen etablieren, die klar definierten Standards folgen und weder der Vergänglichkeit anheimfallen noch wirtschaftliche Interessen bedienen. Deutlich wurde auch, dass »Werke« infolge ihrer Reproduzierbarkeit (Benjamin) und ihrer Quantität infolge eines herrschenden kreativen Imperativs (Reckwitz) zur Qualitätssicherung weiterhin einer künstlerischen Bewertung bedürfen. Dabei blieb aber letztlich umstritten, ob – und gegebenenfalls wie – dies zukünftig in demokratisch-partizipatorischen Prozessen zu erzielen sei. Zum Abschluss des Abends stellte Andreas Margara im Rahmen einer Hausführung die Popakademie Baden-Württemberg vor, die seit 2016 auch Online-Weiterbildungskurse anbietet.

  

Zum Abschluss der Reihe veranstaltete die Regionalgruppe am Freitag, 24. November 2017, ein »Meet and greet« mit Barbara Neundlinger, der neuen Geschäftsführerin der Kulturpolitischen Gesellschaft im C-Hub Mannheim. Einleitend berichteten die Sprecher der Regionalgruppe über ihre Arbeit und äußerten den Wunsch, dass sich die Kulturpolitische Gesellschaft auch auf Bundesebene dem Thema Digitalisierung annehme solle. Barbara Neundlinger stellte sich der Regionalgruppe vor und sprach unter anderem über die inhaltliche Ausrichtung der zukünftigen Arbeit. So sei zum Beispiel Digitalisierung eines der Themen, das für den kommenden Bundeskongress 2019 angedacht ist. Sie sagte außerdem zu, sich zukünftig für einen noch intensiveren Austausch zwischen der Bundesgeschäftsstelle in Bonn und den Regional- und Landesgruppen einzusetzen. Aus dem Kreis der Teilnehmer wurde der Wunsch geäußert, dass die Partizipationsmöglichkeiten der Regional- und Landesgruppen innerhalb der Kulturpolitischen Gesellschaft erhöht werden könnten. Der Sprecherkreis dankte Barbara Neundlinger für den Besuch in Mannheim und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit!

  

Der Sprecherkreis der Regionalgruppe

Susanne Dengel, David Maier, Ingo Schöningh

  

 

Portrait

Die Regionalgruppe Rhein-Neckar ist die erste regionale Interessenvertretung der Kulturpolitischen Gesellschaft, die über drei Landesgrenzen hinweg (Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg) tätig ist. Auch hier lenkt ein Sprecherrat in organisatorischer und inhaltlicher Hinsicht die Geschicke der Regionalgruppe, der sich im Sommer 2016 mit Unterstützung des Kulturbüros der Metropolregion Rhein-Neckar neu aufgestellt hat. Als Sprecher der Regionalgruppe fungieren seitdemSusanne Dengel, David Maier und Dr. Ingo Schöningh.

 

Kontakt

Susanne Dengel, David Maier & Dr. Ingo Schöningh

T +49 (0) 62 41 85 4 37 45

rhein-neckar@kupoge-regional.de

www.facebook.com/KulturpolitischeGesellschaftRheinNeckar/

 

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