{"id":1250,"date":"2022-05-18T12:14:23","date_gmt":"2022-05-18T10:14:23","guid":{"rendered":"https:\/\/kupoge.de\/blog\/?p=1250"},"modified":"2022-05-18T12:14:25","modified_gmt":"2022-05-18T10:14:25","slug":"kulturproduktion-in-der-migrationsgesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kupoge.de\/blog\/2022\/05\/18\/kulturproduktion-in-der-migrationsgesellschaft\/","title":{"rendered":"\u00bbIst doch gut, dass sie eingesehen haben, dass sie etwas \u00e4ndern m\u00fcssen\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kulturproduktion in der Migrationsgesellschaft: \u00dcber die \u00dcberwindung eines Spannungsfeldes<\/h3>\n\n\n\n<p>Fragen der Zugeh\u00f6rigkeit und Zug\u00e4nge im Kulturbetrieb sind bereits seit Jahrzehnten Gegenstand von gesellschaftlichen Debatten. Wenngleich die Anwendung des Terminus <em>Diversit\u00e4t<\/em> oder <em>Diversity<\/em> erst in den letzten Jahren Konjunktur erlangt hat, wurde bereits in der Vergangenheit die Exklusivit\u00e4t der sogenannten Hochkultur in Frage gestellt und beispielsweise die Zug\u00e4nglichkeit von musealen Inhalten thematisiert. So stellte bereits in den 1970er Jahren Pierre Bourdieu den demokratischen Charakter des Museums in Frage, indem er formulierte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00bbSo wird betont, dass \u203aMuseen schon in ihren geringsten Details ihrer Morphologie und Organisation ihre wahre Funktion verraten, die darin besteht, bei den einen das Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit, bei den anderen das Gef\u00fchl der Ausgeschlossenheit zu verst\u00e4rken\u2039. Statt zur \u00d6ffnung und Demokratisierung Kultur beizutragen, wird durch diese Formen der Vermittlung sozialer Ausschluss symbolisch reproduziert.\u00ab<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Jedoch scheint sich heute ein Bewusstsein innerhalb sowie au\u00dferhalb der kulturellen Institutionen breit gemacht zu haben, dass die Frage nach Teilhabe und der altbekannte Ruf nach \u00bbKultur f\u00fcr alle\u00ab in der Migrationsgesellschaft erneut auf dem Pr\u00fcfstand steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zuletzt habe ich dies in vielen pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen mit sehr unterschiedlichen Personen auch au\u00dferhalb des Arbeitsalltages als Referentin f\u00fcr Diversit\u00e4t &amp; Outreach am Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg erlebt. So traf in den allermeisten F\u00e4llen die Tatsache, dass eine solche Arbeitsstelle allein f\u00fcr diesen Bereich geschaffen wurde, auf erstaunlich wenig Erkl\u00e4rungsbedarf. Unter anderem h\u00f6rte ich Kommentare, wie \u00bbist doch gut, dass sie eingesehen haben, dass sie etwas \u00e4ndern m\u00fcssen\u00ab. Dies etwa war ein Kommentar eines pensionierten Arztes aus Norddeutschland, der in Syrien geboren ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bewusstsein f\u00fcr Fragen der Teilhabe im Kulturbetrieb scheint also gesellschaftlich weitaus st\u00e4rker zu sein, als sich die Kulturbetriebe selbst vielleicht eingestehen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literatur thematisiert konkrete Problemstellungen der Diversit\u00e4t im Kulturbetrieb<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>\u00dcber ein diffuses Bewusstsein hinaus weist eine Vielzahl an Publikationen darauf hin, an welchen konkreten Stellen sich die Kulturproduktion tats\u00e4chlich in einem Spannungsfeld mit der Migrationsgesellschaft befindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispielsweise kritisiert Vera Allmannritter den teils undifferenzierten Blick auf Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Rahmen von Publikumsentwicklung. Sie weist darauf hin, dass<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><a href=\"https:\/\/www.kubi-online.de\/artikel\/menschen-migrationshintergrund-kulturpublikum-\">\u00bb[\u2026] das Verst\u00e4ndnis, dass Menschen mit MH [Migrationshintergrund] nicht als spezielle, einzeln zu bedienende \u203aSonderzielgruppe\u2039 zu behandeln sind, sondern je nach Zielsetzung der Ansprache (nach Generationen, Geschlecht, sozialer Lage etc.) v\u00f6llig nat\u00fcrlich und selbstverst\u00e4ndlich mit eingeschlossen sein k\u00f6nnen \u2013 was jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig bedeutet, dass migrationsspezifische Aspekte in deren Kulturnutzungsverhalten (beispielsweise Interessen, Kommunikationswege, spezielle Besuchsbarrieren) nicht ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen [\u2026]\u00ab<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zudem f\u00fchrt sie aus, dass<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><a href=\"https:\/\/www.kubi-online.de\/artikel\/menschen-migrationshintergrund-kulturpublikum-\">\u00bb[\u2026] die Ahnung, dass Kulturinstitutionen zuk\u00fcnftig nicht umhinkommen werden, sich auf bislang nicht dagewesene Art und Weise \u00e4ndern zu m\u00fcssen, sprich ihre gesellschaftliche Position und ihren Habitus zu hinterfragen, sich umfassender f\u00fcr bislang nicht erreichte Bev\u00f6lkerungsgruppen zu \u00f6ffnen sowie ihr (evtl. nicht ausreichend multikulturelles) Angebotsspektrum zu \u00fcberdenken, um mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten.\u00ab<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ausf\u00fchrlich und anhand empirischer Beispiele weist Natalie Bayer auf eine Reproduktion migrantischer Andersartigkeit durch museale Darstellungsweise hin und stellt bei Migrationsdebatten <a href=\"https:\/\/www.hinterland-magazin.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/hinterland-magazin-21-47-unter-den-vitrinen-pdf.pdf\">\u00bbeine oft massiv unreflektierte Ankn\u00fcpfung an den nationalen Integrationsimperativ\u00ab<\/a> fest<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schwierig sich eine langfristige Teilhabem\u00f6glichkeit an Kulturproduktion gestaltet, besonders f\u00fcr Personen mit Fluchtgeschichte, thematisiert etwa die Studie des Instituts f\u00fcr Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, <a href=\"https:\/\/osnadocs.ub.uni-osnabrueck.de\/bitstream\/urn:nbn:de:gbv:700-202001132518\/1\/imis53.pdf\">\u00bbBedingungen und Herausforderungen f\u00fcr K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler\u00ab<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies sind nur einige der kritischen Auseinandersetzungen mit kultureller Teilhabe in der Migrationsgesellschaft. Gerade Sammlungen aus kolonialen Kontexten, sollten unter Einbezug einer gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen gesellschaftlichen Beteiligung behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hinwendung zur Thematisierung von Diversit\u00e4t aus der Perspektive struktureller Problemstellungen &#8211; insbesondere im Sinne von Ethnisierungsprozessen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Bem\u00fchungen um eine Beseitigung diskriminierungskritischer und struktureller Benachteiligung im Kulturbetrieb wurden mittlerweile vereinzelt politisch thematisiert und in konkrete Ma\u00dfnahmen \u00fcbersetzt. Dazu geh\u00f6ren Initiativen, wie etwa die <a href=\"https:\/\/vielfaltentscheidet.de\/handlungsoptionen-zur-diversifizierung-des-berliner-kultursektors\/?back=101\">Herausgabe der Expertise zu Handlungsoptionen zur Diversifizierung des Berliner Kultursektors von \u00bbVielfalt Entscheidet\u00ab<\/a><em> <\/em>sowie die Gr\u00fcndung der Beratungsinstitution f\u00fcr Diversit\u00e4t im Kulturbereich <em>(Diversity Arts Culture)<\/em> in Berlin. Auch durch das <a href=\"https:\/\/www.360-fonds.de\/\">Projekt 360\u00b0 \u2013 Fonds f\u00fcr Kulturen der Neuen Stadtgesellschaft<\/a> erhalten Debatten um Strukturen sowie deren Wandel eine Vielzahl an neuen Impulsen. So fand erst im Januar des Jahres 2022 eine Konferenz mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.aufbrechen.net\">\u00bbAufbrechen! Ran an die Strukturen\u00ab<\/a> statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier geht es also nicht nur darum, ausschlie\u00dflich ein zus\u00e4tzliches Publikum im Rahmen des \u00bbAudience Developments\u00ab anzuwerben, sondern auch darum, Organisationen langfristig zu ver\u00e4ndern und an die Migrationsgesellschaft anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch trotz kritischer Analysen und Initiativen, bleiben die Diskurse um Diversit\u00e4t stellenweise unzureichend und umgehen eine Aushandlung von diskriminierenden Strukturen. Insbesondere in Hinsicht auf institutionelle Ausschlussmechanismen, mangelt es in vielen F\u00e4llen an Fachwissen und Verst\u00e4ndnis. Dabei ist ein strukturelles sowie diskriminierungskritisches Verst\u00e4ndnis von Diversit\u00e4t die Basis daf\u00fcr, den eigenen Handlungsrahmen und die Auswirkungen von individuellen Handlungen vollst\u00e4ndig zu verstehen und daraus wiederum die richtigen L\u00f6sungsans\u00e4tze zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welchem theoretischen Ansatz liegt die strukturelle Thematisierung von Diversit\u00e4t zu Grunde?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Relevant ist dabei, das Verst\u00e4ndnis von Diskriminierung allein im Sinne \u00bbsichtbarer\u00ab Handlungen, etwa in Form von ausgesprochenen Vorurteilen, zu verlassen und sich einem erweiterten Verst\u00e4ndnis \u00bbsozialer Prozesse\u00ab zu widmen: \u00bbPh\u00e4nomene ethnischer Diskriminierung durchdringen unseren Alltag auf komplexe und oft subtile Weise.\u00ab<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Es gilt also, das Ph\u00e4nomen Diskriminierung, hei\u00dft&nbsp; \u00bbdas Unterscheiden von Personengruppen, also das Unterscheiden, das Gruppen zu Gruppen macht, Hierarchie zwischen Gruppen herstellt und begr\u00fcndet und damit Menschen ausgrenzt und\/oder benachteiligt werden\u00ab<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> \u00fcber das Offensichtliche hinaus erkennbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der aus dem angels\u00e4chsischen Raum stammende Begriff der \u00bbinstitutionellen Diskriminierung\u00ab basiert auf der Annahme, dass ein institutionelles Setting an der Herstellung, Verfestigung und Modifizierung sozialer Differenzen beteiligt ist. Untersucht wird dabei haupts\u00e4chlich \u00bbdie Einbettung von Diskriminierung in der \u203anormalen\u2039 Alltagskultur von Organisationen und in der Berufskultur der in ihnen t\u00e4tigen Professionellen\u00ab.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dem Soziologen Stuart Hall zufolge werden die Mechanismen des institutionellen Rassismus in den Organisationstrukturen \u00bbauf informellen und unausgesprochenen Wegen durch ihre Routinen und t\u00e4glichen Verfahren als ein unzerst\u00f6rbarer Teil des institutionellen Habitus weitergegeben. Diese Art von Rassismus wird Routine, gewohnt, selbstverst\u00e4ndlich.\u00ab<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Benachteiligung am Beispiel Schule<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Um ein umfangreiches Verst\u00e4ndnis davon zu erhalten, wie Organisationen Orte des Ausschlusses werden, macht es Sinn, ein Beispiel aus einem anderen Gesellschaftsbereich heranzuziehen. Insbesondere in Bezug auf die Frage nach Migrationsgesellschaft und die ethno-kulturellen Differenzsetzungen bietet sich die Schulforschung an, um Vergleiche zum Kulturbereich herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird bereits seit Jahrzehnten debattiert, wieso ein bestimmterUmstand \u00bbdie Investition von m\u00f6glicherweise vorhandenem sozialem und kulturellen Kapital der Eltern und ihrer Kinder verpuffen l\u00e4\u00dft und verhindern kann\u00ab<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a>. In diesem Ansatz liegt der Versuch, die \u00bbhinter den Entscheidungen liegenden Kalk\u00fcle, denen die Schulen und andere bildungspolitische Akteure im Proze\u00df der Selektion und Allokation folgen\u00ab, zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Studie von hoher Relevanz ist dabei eine von Mechtild Gomolla und Frank-Olaf Radtke in den 1990er Jahren an Bielefelder Schulen durchgef\u00fchrte Studie, die im Jahr 2002 ver\u00f6ffentlicht wurde. Als Ergebnis hielten Gomolla und Radtke fest, dass Sch\u00fcler*innen mit Migrationshintergrund Nachteile erhielten, indem Lehrkr\u00e4fte von \u00bbkulturellen Passungsproblemen\u00ab sprachen, auf den monolingualen Charakter der Schule bestanden und durch retroaktives Erkl\u00e4ren benachteiligende Entscheidung legitimiert und gerechtfertigt wurden.<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Auch kann der Kulturbetrieb daraus lernen, den Blick auf weitere Ebenen zu richten, die im Schulsystem laut Gomolla zu Ungleichheit f\u00fchren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>politische Vorgaben,<\/li><li>lokale organisatorische Strukturen,<\/li><li>organisatorische Handlungszw\u00e4nge und<\/li><li>etablierte Praktiken in einzelnen Schulen sowie<\/li><li>ein p\u00e4dagogischer Common Sense, der stark von defizitorientierten Annahmen und<\/li><li>statischen Konzepten kultureller Identit\u00e4t bestimmt ist.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Was bedeutet ein Diversit\u00e4tsverst\u00e4ndnis, welches institutionelle Settings und Benachteiligung anerkennt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schulforschung gibt somit Hinweise darauf, dass organisationale Diversifizierungsprozesse auf dem Pr\u00fcfstand stehen. Zudem wird erkenntlich, dass die Verkn\u00fcpfung von Diversit\u00e4t und dem mittlerweile auch im Kulturbereich angekommenen <em>Change-Management<\/em> eine besondere Leistung zuteil kommen sollte. So weist Gomolla darauf hin, dass die im \u00bb<em>scientific management <\/em>vermittelte Vorstellung, Organisationen seien technischrationale Instrumente, um organisatorische Aktivit\u00e4ten effizient zu steuern\u00ab, in Frage gestellt werden sollte. Sinnvoll sei demnach eine Kombination von Diskriminierungstheorien mit Konzepten der neueren amerikanischen Organisationsforschung. Dabei seien folgende Theorieangebote von Relevanz: <em>lose Kopplung, verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie <\/em>und <em>Neo-Institutionalismus.<a id=\"_ftnref9\" href=\"#_ftn9\"><strong>[9]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite bedeutet ein Hinterfragen von Diversit\u00e4t im Sinne von Organisationen, Strukturen und Benachteiligung, eine Anerkennung von sozialen Komplexit\u00e4ten, die im Alltag regelm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberpr\u00fcfen sind und machtkritisch in Frage gestellt werden m\u00fcssen. In einem Beitrag f\u00fcr DeutschPlus e.V. weist Sohal Behmanesh darauf hin, dass bei Diversity Prozessen die Machtkonstellationen komplexer als in klassischen Change Prozessen sind. Denn die Abwehrhaltung sei nicht nur durch die Anstellungsverh\u00e4ltnisse erkl\u00e4rbar, sondern h\u00e4ufig aus gesellschaftlich privilegierten und damit auch machtvollen Positionierungen zu verstehen<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><a href=\"https:\/\/www.deutsch-plus.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/izv-1904-behmanesh-final.pdf\">\u00bb[\u2026] unlike other change initiatives, diversity change has an added psychological component [\u2026]. (T)he field of social psychology suggests that discrimination, or bias in favor of one\u2019s own group to the detriment of others, is a cognitive and motivational phenomenon that, when challenged, is met with psychological resistance\u00ab<\/a>. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein kritisches Diversit\u00e4tsverst\u00e4ndnis im Sinne institutioneller Ausschlussmechanismen bedeutet also, dass branchenspezifische Strukturen ausreichend verstanden werden sollten. Es bedarf daf\u00fcr vertiefter wissenschaftlicher Analysen, die nicht nur die internen Strukturen von Kultureinrichtungen, sondern ebenso den Handlungsrahmen, in dem Kultureinrichtungen agieren, in den Blick nehmen. Dazu geh\u00f6rt die Frage nach dem politischen Setting, den sozialen Netzwerken, in dessen Rahmen Kultur produziert wird, sowie vor allem nach den Organisationsstrukturen von \u00f6ffentlich gef\u00f6rderten Kultureinrichtungen. Dies ist nur m\u00f6glich, wenn sich der kulturpolitische Diskurs kritischer mit den Strukturen auseinandersetzt. Sonst wird es schwierig, eine Diversit\u00e4tsentwicklung umzusetzen, die einer modernen Migrationsgesellschaft gerecht wird. Das Verpuffen von \u00bbvorhandenem sozialem und kulturellen Kapital\u00ab (siehe Fu\u00dfnote 6) der Migrationsgesellschaft sollte besonders in Kunst und Kultur eben <em>nicht<\/em> stattfinden. Denn nur, wenn das Thema Diversit\u00e4t nachhaltige Verankerung in den Organisationsstrukturen findet und gesamtpolitisch als Querschnittsaufgabe verstanden wird, erhalten Menschen mit hybriden Lebensrealit\u00e4ten gleichberechtigt Ausdrucksm\u00f6glichkeiten innerhalb der Mainstream-Kulturproduktion.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Autorin:<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Jenin Elena Abbas<\/strong> ist als Referentin f\u00fcr Diversit\u00e4t und Outreach am Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg im Rahmen des\u00a0360\u00b0 Programms \u2013 Fonds f\u00fcr Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes\u00a0t\u00e4tig. Zuvor war sie unter anderem f\u00fcr das\u00a0Goethe-Institut Kairo als Projektkoordinatorin der\u00a0Kulturzeitschrift Fikrun wa Fann (Art&amp;Thought) t\u00e4tig.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hat an den Universit\u00e4ten Osnabr\u00fcck, der&nbsp;American University in Kairo (\u00c4gypten), an der&nbsp;Hochschule Bremen sowie an der&nbsp;San Jose State University (USA) studiert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bourdieu 1974: 198 in Bourdieu \/ Darbel 2006<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Gomolla, Mechthild (2006): \u00bbInstitutionelle Diskriminierung im Bildungs- und Erziehungssystem\u00ab, S. 97<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Foitzik, Andreas (2010): \u00bbEinf\u00fchrung in theoretische Grundlagen: Diskriminierung und Diskriminierungskritik\u00ab, in Foitzik, Andreas \/ Hezel, Lukas J. (Hrsg.) (2010): <em>Diskriminierungskritische Schule<\/em>, S. 12<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Gomolla, Mechthild (2010): \u00bbInstitutionelle Diskriminierung. Neue Zug\u00e4nge zu einem alten Problem\u00ab, in: Hormel, Ulrike \/ Scherr, Albert (Hrsg.): <em>Diskriminierung<\/em>, S. 77-78<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Hall, Stuart (2001): \u00bbVon Scarman zu Stephen Lawrence\u00ab, in: Sch\u00f6nw\u00e4lder, Karen \/ Imke Sturm-Martin, (Hrsg.): <em>Die britische Gesellschaft zwischen Offenheit und Abgrenzung: Einwanderung und Integration vom 18. bis zum 20. Jahrhundert<\/em>, S. 154\u2013168, hier S. 165<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Radtke, Frank-Olaf (2004): <em>Die Illusion der meritokratischen Schule. Lokale Konstellationen der Produktion von Ungleichheit im Erziehungssystem<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Gomolla, Mechtild \/ Radtke, Frank-Olaf (2002\/2009): <em>Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Mechtild Gomolla, Institutionelle Diskriminierung. Neue Zug\u00e4nge zu einem alten Problem, in: Diskriminierung, Hormel\/Scherr (Hrsg.), 2010, S. 81<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ebd.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jenin Elena Abbas <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1251,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1250","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u00bbIst doch gut, dass sie eingesehen haben, dass sie etwas \u00e4ndern m\u00fcssen\u00ab<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Ein Blog-Beitrag zum Thema \u00bbKulturproduktion in der Migrationsgesellschaft: \u00dcber die \u00dcberwindung eines 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