Ergebnisse der
Sommerakademie 2022

»Mittendrin oder jenseits von …? Kulturpolitische Strategien für ländliche Räume«

Rund 80 Teilnehmer*innen diskutierten an den drei Tagen vom 28. bis 30. September 2022 über Kultur und Kulturpolitik für ländliche Räume, darunter rund 35 Impulsgeber*innen, die Einblicke ihre Erfahrungen und Zukunftsvisionen ermöglichten. Vertreten waren fast alle der 12 Flächenländer Deutschlands. Als Impulsgeber*innen waren Akteur*innen aus der kulturellen Praxis, dem Kulturmanagement, den kommunalen, Kreis- und Landesverwaltungen sowie Kulturverbänden und regionalen Kulturorganisationen eingeladen, zudem Expert*innen aus den Bereichen Kulturpolitikforschung, Raumwissenschaft, Tourismus und Regionalentwicklung.

Ausgangspunkte waren zwei Einführungsvorträge. Christine Wingert stellte einleitend die Breite der kulturellen Aktivitäten einerseits und kulturpolitische Strategien wie auch Desiderate im Hinblick auf Kultur in ländlichen Räumen andererseits vor (siehe Wingert 2022). Prof. Dr. Rainer Danielzyk führte anhand verschiedener Faktoren aus, wie verschieden die ländlichen Räume in Deutschland. Mehr noch: Schon die Definition für »ländlich« sei – selbst in den Raumwissenschaften und dem Politikfeld der Raumordnung – nicht eindeutig (siehe Danielzyk 2022).

Vor diesem Hintergrund wurden die Herausforderungen für Kultur in ländlichen Räumen im Laufe der Tagung aus den verschiedenen Regionen Deutschland vorgestellt und differenziert diskutiert. Denn nicht nur die finanziellen Möglichkeiten ländlicher Kommunen wie auch die Kulturhaushalte der Länder sind sehr unterschiedlich, sondern auch die vorhandene kulturelle Infrastruktur wie Kultureinrichtungen, Kulturverbände, Beratungs- und Förderstellen und Netzwerke. So wurde beispielsweise für Nordrhein-Westfalen eine besonders große Dichte an Beratungs- und Vernetzungsstellen festgestellt und für Baden-Württemberg – hier aus dem Blickwinkel der Amateurtheater – gute Bedingungen für Kultur in ländlichen Räumen, u.a. durch vorwiegend wohlhabende Kommunen und vergleichsweise üppige Landesprogramme.

Die Diskussionen oszillierten konsequenterweise zwischen diesen beiden Ebenen: der kulturellen Praxis von Kulturschaffenden, Kulturverwaltungen und -institutionen in ländlichen Räumen einerseits und den kulturpolitischen Strategien und Instrumenten der Länder für »ihre« ländlichen Räume andererseits. Für beides gab es eine Fülle von positiven wie auch nicht so erfolgreichen Beispielen als Lernstoff. Eine wichtige Rolle spielen als Intermediäre die regionalen Kulturorganisationen wie beispielsweise (bei aller Unterschiedlichkeit trotz gleicher Bezeichnung) die Landschaften und Landschaftsverbände in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen sowie die Kulturfachverbände und andere regionale Organisationen und Netzwerke.

Folgende Themen kristallisierten sich in den vier Panels und sechs Foren als zentral heraus und wurden teilweise kontrovers diskutiert:

  • Zugang zu Kultur – Kultur für alle
  • Publikum / Kulturnutzer*innen
  • Kulturorte in ländlichen Räumen
  • Menschen vor Ort, Engagement und Ehrenamt
  • Künstlerische Intervention vs. »Kulturinvasion«
  • Mentale Offenheit und Kooperationsbereitschaft
  • Kommunale Kulturverwaltung und Kulturpolitik
  • Regionale Vernetzungs- und Beratungsstellen
  • Kulturförderung der Länder
  • Kultur und Bildung
  • Kultur und Regionalentwicklung
  • Ressortübergreifende Zusammenarbeit auf Landesebene
  • Kooperativer Kulturföderalismus

Vom Früchtesammeln

Ziele der Sommerakademie waren die Qualifizierung der kulturpolitischen Debatte über Kultur und Kulturpolitik in ländlichen Räumen, unter anderem hinsichtlich notwendiger kultureller und struktureller Transformationsprozesse, der Austausch zwischen Akteur*innen der Kulturpolitik verschiedener politisch-administrativer Ebenen sowie der Austausch und die Vernetzung zwischen Kulturschaffenden, Akteur*innen aus den Bereichen Kunst und Kulturarbeit sowie Kulturpolitik, Regionalentwicklung und Tourismus, um zur Weiterentwicklung zeitgemäßer kulturpolitischer Strategien für ländliche Räume beizutragen.

Die Ergebnissicherung erfolgte an »Apfelbäumen«, die in jedem Panel und Forum der Sommerakademie mit den »Früchten« der Inputs und Diskussionen bestückt wurden. Alle Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, ihre Gedanken und Erfahrungen auf »Apfelkarten« in sechs Kategorien zu notieren. Die »Apfelbäume« sowie die Audioaufnahmen sind Grundlage der obigen Dokumentation. Die Ergebnisse der Sommerakademie werden in die Studie »Kulturpolitik und Kulturförderung für ländliche Räume« einfließen.

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(v.l.n.r.) Andreas Bialas, Katerina Schumacher, Dr. Philipp Salamon-Menger und Franziska Hammer

Für den Abschluss der Sommerakademie wurden alle Apfelbäume im Plenumsraum bereitgestellt, sodass sich die Teilnehmenden jederzeit ansehen konnten, was in den einzelnen Foren und Panel festgehalten wurde.